Chuck Berry

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Chuck Berry 1957 (Universal Attractions, from: Wikimedia)

Oh dear – another one. Just read the news that Chuck Berry has died, aged 90.

What a great artist! Troubled history, true, but his music! He made Rhythm & Blues popular, didn’t he? The father of Rock’n’Roll.

And, of course, of the duck walk!

How many of his songs have become all-time greats? You don’t have to think hard: Roll Over Beethoven; Rock and Roll Music; Johnny B. Goode; Sweet Little Sixteen; Maybellene; Carol; Little Queenie; Mephis, Tennessee; School Days… You name them.

My favourite’s always been You Never Can Tell. If you can sit still through this song, you’re dead.

I once heard it performed live by Bill Wyman and the combo he had put togther after leaving the Rolling Stones. And this reminds us – what would the Stones have been without Chuck Berry? And the Beatles?

Gestern Abend im Kellertheater…

… stand Thomas Bernhards Am Ziel auf dem Spielplan. Zu meiner Überraschung erschien auch eine Gruppe junger Männer. Einer von ihnen sprach mich an: ein ehemaliger Fachschüler, ich hatte ihn selbst noch unterrichtet. Nun war er Abendschüler an einer Höheren Technischen Lehranstalt, stand knapp vor dem ersten Teil der Reifeprüfung, welcher Deutsch, Englisch und Mathematik umfassen sollte.

Wie kommt’s denn ihr hierher?

Die Deutsch-Professorin…

In der Pause ging ich hinaus Luft schnappen, die jungen Männer rauchten. Sie waren ratlos. Ich fühlte mich bemüßigt, ein wenig zu trösten, vielleicht auch aufzuklären.

Wenn ihr das nicht versteht, sagte ich, dann machts euch nichts draus. Niemand versteht das. Das ist der Witz der Sache: da gibt’s nichts zu verstehen.

Wenn ihr euch langweilt – das tun alle in dem Theater. Das Stück ist langweilig. Erstens, weil’s um 30 oder 40 Prozent zu lang ist. Das sind alle Bernhard-Stücke. Eigentlich sind das Einakter, man müsste sie zusammenstreichen. Bloß wären sie dann nicht mehr abendfüllend. Man müsste zwei davon bringen. Aber das geht auch nicht, weil alle seine Stücke gleich langweilig sind.

Und warum? Weil Thomas Bernhard das so will. Zweitens. Thomas Bernhard ist der Dichter der Langeweile. In doppeltem Sinne.

Aber – sagte ich – ihr müsst euch noch was klarmachen: Was da auf der Bühne geschieht, diese ewige Maulerei, alles schäbig, alles sinnlos – das hat nichts mit euch zu tun. Mit eurem Leben. Eurer Arbeit. Da stellt ein snobistischer Oberschichts-Schreiber snobistische Oberschichts-Figuren auf die Bühne, für ein snobistisches Oberschichts-Publikum: Salzburger Festspiele und so. Natürlich erkennen die sich wieder in diesen langweiligen Stücken. Aber langweilen tun sie sich trotzdem. Eine einzige Oberschichts-Wichserei.

Und warum sind Sie dann hier, fragte der ehemalige Schüler.

Na ja, ich wollte Eleonore Bürcher sehen. Das ist eine exzellente Schauspielerin, ich kenne sie schon seit zwanzig, fünfundzwanzig Jahren, nicht persönlich, bloß von der Bühne, und heute brilliert sie ja so richtig. Ohne sie wär’ das Stück noch viel langweiliger. Und außerdem – man kann nur schimpfen, wenn man gesehen oder gelesen hat, oder? Das verlangt meine Professionalität.

Aber sagts das nicht eurer Frau Professor, fügte ich hinzu. Die wird vielleicht nicht einverstanden sein.

Allerdings, nickten die jungen Männer.

Lohnabhängige

Lohnabhängige sind auf ihren Lohn angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie haben sonst nichts. Sie müssen Lebenszeit und körperliche oder geistige Arbeit verkaufen.

Zweifellos können Lohnabhängige Vermögen besitzen. Sie mögen dann auch Einkommen aus diesem Vermögen beziehen (Rendite). Aber es wird nicht ausreichen, um davon auf Dauer leben zu können.

Es ist natürlich wahr, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt Lohnempfänger im obersten Einkommenssegment gibt, die derart gigantische Summen verdienen, -zig Millionen pro Jahr, dass sie sich von der Lohnabhängigkeit befreien können oder schon befreit haben. Aber das heißt bloß, dass sie nicht mehr lohnabhängig sind, selbst wenn sie Lohn beziehen.

Die Masse der Lohnbezieher – wahrscheinlich 95 oder 99 Prozent – sind hingegen lohnabhängig. Und das bedeutet:

(1) Sie sind darauf angewiesen, dass sie arbeiten können, um überhaupt Lohn zu beziehen. Es muss also genügend Arbeitsplätze geben.

(2) Sie sind darauf angewiesen, dass sie für ihre Arbeit einen angemessenen Lohn bekommen, von dem sie einigermaßen anständig leben können. Und sie sind darauf angewiesen, dass sie sich dafür nicht zu Tode schinden müssen, also auf einigermaßen anständige Arbeitsbedingungen.

(3) Sie sind auf Ersatzzahlungen angewiesen für Zeiträume, in denen sie nicht arbeiten können. Das kann Krankheit sein, Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, aber natürlich auch das Alter. Was auch immer sich Lohnabhängige ersparen mögen, es wird niemals ausreichen, solche Zeiträume zu überbrücken.

(4) Sie sind auf den Zugang zu einer gut funktionierenden Infrastruktur angewiesen. Das beginnt beim Verkehr – Straßen, öffentliche Verkehrsmittel – und reicht über Wasser, Strom, Müllentsorgung bis hin zum Schulwesen sowie, last but not least, zur Gesundheitsversorgung vom praktischen Arzt bis zum Krankenhaus. –

Banal? Mag sein. Aber Hand aufs Herz: Wann war Ihnen das zum letzten Mal so richtig bewusst?

Wichtig ist das deshalb, weil es sozialer Politik genau darum gehen muss, um die Lebensqualität der Lohnabhängigen. In erster Linie. Ohne Wenn und Aber.

So was taugt mir

Montag Vormittag, Ecke Boznerplatz / Wilhelm-Greil-Straße. Ich steh’ da am Fußgänger­übergang, warte bis die Ampel grün wird, nicht gerade bester Stimmung wegen dem mise­rablen Winter in Innsbruck, Sie wissen schon: gefrorener dreckiger Schnee am Straßenrand, auf den Gehsteigen eine dünne braune Schicht von Salzmatsch. Außerdem ist es kalt. Ich hab meine Mütze über die Ohren gezogen und den Kragen des Anoraks hoch geschlagen.

Neben mir steht ein junger Mann asiatischen Aussehens, kleines Ziegenbärtchen unterm Kinn. Und er ist, wie ich bemerke, im Hemd. Ich schau noch einmal: ja wirklich, weißes Hemd, drunter nichts.

„Brrr“, mach’ ich.

Er lacht.

„I hab kahn langen Weg“, sagt er in gepflegtem Innsbruckerisch ohne den geringsten Akzent. Klingt angeboren. Oder zumindest seit frühesten Kindesbeinen.

„Trotzdem. So was geht nur, wenn ma jung is.“

„Oder wenn ma lei schnell a Jausn holt.“

Wir lachen beide, überqueren die Straße gemeinsam bei Grün.

„Schönen Tag noch“, sagt er.

„Tschau!“

Und während ich weitergehe, erwärmt ein Lächeln mein Gesicht. Ja, ich muss grinsen. So was taugt mir, macht mich ganz vergnügt!