Archiv der Kategorie: Geschichte

Weichensteller

Im Standard ging ein Autor jüngst dem Konzept der Tragic Choice nach (Verknüpfung am Ende des Beitrags). Der Anlass waren natürlich jene Beschränkungen, welche zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen wurden und werden, die dabei aber notwendigerweise unsere Grund- und Freiheitsrechte beschneiden. Ist so was unter Umständen zulässig? Manche – darunter auch der Verfasser dieser Zeilen – sagen Ja, andere bestreiten dies vehement.

Näher will ich darauf nicht eingehen. Ich hab’ mich bloß gefragt, wozu man da jetzt einen weiteren englischen Begriff braucht. Es handelt sich nämlich um nichts anderes als ein gutes altes Dilemma. Klingt doch auch schön, oder? In unserem speziellen Fall spricht man anscheinend vom Trolley-Problem (a trolley car ist in den USA eine Straßenbahn) oder, noch verständlicher, vom Weichenstellerfall. Das bezieht sich auf jenes Gedankenexperiment, mit welchem das Dilemma gerne dargestellt wird: Ein Straßenbahnzug rast auf eine Gruppe Gleisarbeiter zu. Die einzige Rettung besteht darin, dass rasch eine Weiche gestellt wird – zu einem anderen Gleis, auf dem indes ein einzelner Mann steht. Wie soll sich der Weichensteller entscheiden?

Ich hatte, ganz ehrlich gestanden, weder von diesem Weichenstellerfall noch von Tragic Choice jemals etwas gehört, die Begriffe waren mir völlig neu. Die zugrunde liegende Zwickmühle war es hingegen nicht. Mit der hatte ich mich auf meine naive Weise schon viel früher herum geschlagen.

Reisen wir zurück in den Herbst 1977. Der „deutsche Herbst“, wie sich viele erinnern werden. Der Herbst der Terroristen: Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und so weiter, die RAF, wie sie sich selbst nannten, die Rote Armee Fraktion. Sie entführten Menschen, ermordeten andere, und deshalb saßen führende Mitglieder im Hochsicherheitsgefängnis von Stammheim. In studentischen Kreisen tobten geradezu Diskussionen über Berechtigung oder Nicht-Berechtigung terroristischer Gewalt, und die verschnörkelten Umwege, auf denen die Argumentation endlich zu dem Schluss gelangte, die Gewalt sei doch irgendwie berechtigt – diese verschnörkelten Umwege kamen beinahe schon Kunstwerken gleich.

Dann wurde die Lufthansa-Maschine Landshut entführt. Die Entführer richteten den Flugkapitän eiskalt hin, Genickschuss. 90 Passagiere befanden sich in der Maschine, Menschen wie du und ich. Die zermürbende Odyssee endete schließlich am Flughafen von Mogadischu. Die Spannung wurde nachgerade unerträglich. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober wurden die Geiseln von einer deutschen Spezialeinheit befreit – welch ein Triumph, welche Erleichterung!

Die Nachricht erreichte uns in der Früh – na ja, mich zumindest, andere mögen die Nacht an den Radiogeräten ausgeharrt haben – zusammen mit einer weiteren: Die Häftlinge in Stammheim hatten noch in derselben Nacht Selbstmord begangen.

Mensch, und jetzt liefen die studentischen Diskussionen erst so richtig heiß! Die vorherrschende Meinung sprach natürlich von „Staatsmord“. Aber immerhin muss es auch Gegenstimmen gegeben haben, anders wäre es nicht zu derart hitzigen Debatten gekommen. Und mit welcher Spitzfindigkeit da argumentiert wurde! Notgedrungen, muss hinzugefügt werden, denn an Fakten hatten wir nur das, was in den Zeitungen stand oder was im Fernsehen berichtet wurde. Dass die Studenten der „kapitalistischen Monopolpresse“ misstrauten, das verstand sich von selbst.

Genau an diesem Punkt setzten meine eigenen Überlegungen an. Wissen – so reimte ich mir das zusammen – wirklich wissen können wir’s nicht und werden’s vielleicht niemals. Aber was, wenn die Frage falsch gestellt ist?

Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Polizeioffiziers oder vielleicht auch eines verantwortlichen Politikers. Ganz egal, wie Sie politisch denken, ist die Situation doch klar: Dieser eine Versuch, die Gefangenen mittels Entführung frei zu pressen, ist missglückt. Aber der nächste kommt bestimmt, damit müssen Sie aufgrund der bisherigen Ereignisse eindeutig rechnen. Wer garantiert Ihnen, dass die nächste Entführung genau so triumphal endet? Da stehen Menschenleben auf dem Spiel, eine ganze Menge, lauter normale Menschen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen.

Auf der anderen Seite vier Leute, die Verbrechen begangen haben, Morde, und die nach einer Freipressung selbstverständlich weitere begehen würden – da machten sie ja kein Hehl draus, das gehörte zu ihrem politischen Programm, daraus zogen sie Selbstbestätigung und Selbstachtung. Solange die im Gefängnis saßen, würden die Entführungen, Erpressungen und Morde niemals aufhören, ganz egal, um welches Gefängnis es sich handelte, und ganz egal, wie die Haftbedingungen gestaltet wären.

So – und jetzt sind Sie dran. Was tun Sie?

Natürlich – so überlegte ich – natürlich dürfen Häftlinge in einem westlichen Rechtsstaat nicht gefoltert, geschweige denn hingerichtet werden. Absolutes Tabu, daran darf nicht gerüttelt werden, keine Ausnahmen!

Andererseits –

Ich glaube, ich hätte mich damals – wäre ich in die Lage gekommen, dies zu tun – für die radikale Variante entschieden. Alles andere hätte meinem moralischen Instinkt widersprochen. Philosophische Spekulationen stellte ich keine an, die betrachte ich bis heute eher skeptisch.

In besagtem Standard-Artikel wird eine Autorität zitiert, welche das Dilemma folgendermaßen löst: Die notwendige, aber gesetzeswidrige Tat wird von jemandem begangen, der bereit ist, die Strafe auf sich zu nehmen. So würde die Bedrohung aus der Welt geschafft, ohne dass der Rechtsgrundsatz verletzt wird.

Klingt gut. Aber wie schaut so was im wirklichen Leben aus?

Konstantin Lager, „Die Covid-Pandemie ist eine tickende Bombe für Grund- und Freiheitsrechte“, derStandard (23. März 2021).

Bekehrung und Enttäuschung

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André Gide, Return from the U.S.S.R.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1936 bereiste André Gide die Sowjetunion – auf Einladung, versteht sich. Er zählte damals bereits zu den bedeutendsten Schriftstellern seiner Zeit, seine Worte hatten Gewicht in den Kreisen Intellektueller. Und wie so viele von ihnen hegte er große Sympathie für die Sowjetunion, für die Kommunistischen Partei sowie für deren Ideologie. Die Entdeckung dieser Ideologie hatte er einmal in der Sprache religiöser Bekehrung beschrieben: Die Sowjetunion, so meinte er, zeige „den Weg zur Erlösung vom beklagenswerten Zustand der heutigen Welt.“ Allerdings erkannte er auch die Notwendigkeit, mit eigenen Augen zu sehen. Er reiste mit der Absicht, sein ursprüngliches Urteil bestätigt zu finden, und dieses Bemühen ist durch das ganze Buch hindurch zu verspüren.

Tatsächlich fing’s ermutigend an. Kurz nach seiner Ankunft nahm er an den Begräbnisfeierlichkeiten für Maxim Gorki auf dem Roten Platz in Moskau teil. Er hielt eine Rede vom Dach des Lenin-Mausoleums herunter, wo sonst nur Stalin und die oberste Parteispitze zu sehen waren.

Trotzdem erwies es sich schwierig, die Begeisterung aufrecht zu erhalten – und je länger er sich in der Sowjetunion aufhielt, je mehr er hörte und sah, desto schwieriger. Da ähnelte seine Erfahrung also der von Joseph Roth zehn Jahre früher. Davon war hier erst kürzlich die Rede (Verknüpfung am Ende des Beitrags). Zu Gides Zeit beherrschte Stalin bereits Partei und Land mit unerbittlicher, unberechenbarer, böswilliger Strenge. Zwischen Roths und Gides Besuch lag der Holodor, die Hungersnot in der Ukraine, die Millionen von Opfern gekostet hatte. Außerdem herrschte der Stalin’sche Terror mit NKWD, Ljubljanka und Gulag. Der Große Terror, die Jeschowschtschina, begann noch im gleichen Jahr. Wieder sollten Millionen zu Opfern werden.

Selbst wenn Gide keine Details kannte, nicht hinter die Kulissen schauen konnte, er sah doch klar, wie der Hase lief. Er bemerkte den Kult um die Person Stalins, der geradezu  kindische Formen annehmen konnte, zumindest in den Augen eines westlichen Beobachters. Er bemerkte die unerbittliche Unterdrückung jeder abweichenden Meinung – so sehr, dass niemand auf die Idee zu kommen schien, eine solche überhaupt zu haben. Und er war sich durchaus klar, mit welchen Methoden dieser Konformismus erzwungen wurde, was mit jenen geschah, welche zu widersprechen wagten. Gerade dieser Aspekt musste ihn, den französischen Dichter, natürlich besonders abstoßen.

Darin lag auch eine gehörige Portion Enttäuschung. Die Sowjetunion galt ja als große Hoffnung: Alles sollte anders werden, nicht nur für die Arbeiter, sondern für die gesamte Menschheit, und nicht zuletzt für deren Literatur, für die Kultur. Aber im eisernen Griff der Stalin’schen Diktatur erschienen die höchst bedroht, bis hin zu ihrer Existenz.

André Gide sah und notierte das alles, so sehr es ihn schmerzte. Was sollte er berichten, so fragt er einmal verzweifelt, wenn er nach Paris zurückkommt? Kritik an der Sowjetunion galt als Verrat an der Sache. Man durfte dem Gegner keine Munition liefern!

Gide entschloss sich dazu, auch seine negativen Eindrücke wiederzugeben. In intellektuellen Kreisen löste das einen veritablen Skandal aus. Es war der Beginn jenes Weges, welcher ihn zum Gegner der kommunistischen Partei machte, zum scharfen Kritiker der kommunistischen Ideologie werden ließ.

Noch war’s aber nicht so weit. Noch beeilte er sich am Ende seines Berichtes zu beteuern: „Die Sowjetunion hat noch nicht aufgehört, uns Neues zu lehren und uns in Erstaunen zu versetzen.“

André Gide, Return from the U.S.S.R. (New York: Fabri Press, 2011). e-book. Urspr. erschienen 1936.

Pilgerreise in die Sowjetunion
André Gide, Return from the U.S.S.R.

In the second half of the year 1936, André Gide visited the Soviet Union – by invitation, of course. He was one of the most important writers of his time, his words carrying weight in intellectual circles. And like so many intellectuals, he had great sympathy for the Soviet Union, for the Communist Party and for its ideology. He had once described the discovery of that ideology in terms of religious conversion: The Soviet Union, he thought, showed „the way to salvation from the deplorable state of the world today.“ However, he also acknowledged the need to see with his own eyes. He travelled with the intention of finding his original judgement confirmed, and this intention is felt throughout the book.

In fact, the journey started quite encouragingly. Shortly after his arrival, he attended the funeral celebrations for Maxim Gorky in Moscow’s Red Square. He gave a speech from the top of Lenin’s mausoleum where usually only Stalin and the top party leadership could be seen.

Nevertheless, it proved difficult to maintain his enthusiasm – and the longer he stayed in the Soviet Union, the more he heard and saw, the more difficult it became. In this respect his experience was similar to that of Joseph Roth ten years earlier; this has been discussed here recently (link at the end of the article). In Gide’s time, however, Stalin ruled party and country with relentless, unpredictable and vicious harshness. Between Roth’s visit and Gide’s lay the Holodor, the famine in the Ukraine that had cost millions of victims. In addition, Stalin’s terror prevailed complete with NKVD, Ljubljanka and GULAG. The Great Terror, the Yezhovschina, was about to be unleashed later that year. Again millions would become its victims.

Even if Gide didn’t know the details, even if he couldn’t look behind the scenes, he saw clearly which way the wind was blowing. He experienced the personality cult surrounding Stalin, which could take on childish forms, at least in the eyes of a Western observer. He noticed the unremitting suppression of any dissenting opinion – so much so that no one seemed to even think of having one. And he was well aware of the methods used to enforce this conformism: what happened to those who dared to dissent. This aspect must have particularly repelled him, the French poet.

There was also a good deal of disappointment in this. The Soviet Union was considered a great hope: everything was supposed to be different, not only for the workers, but for all of humanity, and not least for literature, for culture in general. But in the iron grip of Stalin’s tyranny, these seemed severely threatened, even to the point of their very existence.

André Gide saw and noted all this, much as it pained him. What should he report, he once asks himself in despair, when he returns to Paris? Criticism of the Soviet Union was considered a betrayal of the cause. One must not supply the enemy with ammunition!

Gide decided to report his negative impressions all the same. This caused a veritable scandal in intellectual circles. It was the beginning of the path that took him out of the communist party and made him a harsh critic of communist ideology.

But he had not yet reached that point. At the end of his report, he hastened to affirm: „The Soviet Union has not yet finished instructing and astonishing us.”

André Gide, Return from the U.S.S.R. (New York: Fabri Press, 2011). e-book. First published 1936.

Pilgerreise in die Sowjetunion

Pilgerreise in die Sowjetunion

Joseph Roth, Reisen in die Ukraine und nach Russland

Im Herbst und Winter 1926 bereiste Joseph Roth im Auftrag der Frankfurter Zeitung die damalige Sowjetunion. Die Reise führte ihn von Lemberg in der Ukraine über Moskau und Leningrad bis nach Astrachan am Unterlauf der Wolga. Seit den großen Revolutionen waren gerade einmal neun Jahre vergangen, die Wunden des Bürgerkriegs lagen offen zutage. Noch galt im Lande die Neue Ökonomische Politik, wenngleich sie sich bereits dem Ende zuneigte. Stalin zog die Fäden in der Partei und im Staate, wir wissen heute, was er im Sinn hatte. Joseph Roth wusste es nicht.

Reisen in die Sowjetunion glichen Pilgerfahrten, so eine Art Hadsch für westeuropäische Intellektuelle. Das Sowjetsystem vereinigte große Hoffnungen auf sich: ein radikaler Neuanfang, so glaubte man – wollte man glauben –, alles würde anders werden, die Befreiung des Menschen, weltweiter Friede. Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs erschien das nur zu verständlich.

Manche ließen sich vom Augenschein bestärken, verschlossen die Augen vor der Realität (oder kehrten ihr überhaupt den Rücken, so wie Brecht). Roth reiste wohl auch mit der Absicht in die Sowjetunion, begeistert zu sein. Es finden sich genug Beobachtungen, genug Passagen, die davon zeugen. Das geht so weit, dass er sogar von der Religionsfreiheit schwärmt; Gott lebe in der Sowjetunion wie Gott in Frankreich, meint er einmal.

Man braucht aber nicht weit zu lesen, bis man merkt, dass da etwas nicht stimmt – in der beobachteten Realität nicht, und ebenso wenig in Roths Reportagen. Für mich war’s interessant festzustellen, dass Roth unter anderem die Schäbigkeit, die Trost- und Freudlosigkeit des Lebens, des Alltags bemängelt. Eben dies hat mich mehr als fünfzig Jahre später nämlich ebenfalls bedrückt: keine Freundlichkeit, kein Lächeln, keine Fröhlichkeit. Das ist natürlich schrecklich oberflächlich, klar, aber ich glaubte – ebenso wie Joseph Roth –, dass sich da eine tiefer liegende Malaise manifestierte. Woher sie kam, welcher Art sie war, das konnte ich ebenso wenig wie Roth einfach und schlüssig benennen.

Ein Pilger also, den der Augenschein nicht zu überzeugen vermochte, ganz im Gegenteil. (Der berühmteste dieser Spezies dürfte André Gide gewesen sein.) Roth sei als überzeugter Bolschewik nach Russland gekommen und kehre als „Royalist“ in den Westen zurück, meinte Walter Benjamin, der den Autor in Moskau traf. Wie’s scheint, wandte sich Roth in der Folge von der Utopie ab und der Vergangenheit zu, wie er sie nicht lange danach im Radetzkymarsch (erschienen 1932) verarbeiten sollte.

Empfehlenswert? – Also, bei aller Wertschätzung für Joseph Roth, ich würde doch zögern. Es braucht wohl das Interesse eines Spezialisten, sei’s für Joseph Roth, sei’s für die seinerzeitige Auseinandersetzung rund um Kommunismus und Sowjetunion.

Joseph Roth, Reisen in die Ukraine und nach Russland, hg. und mit einem Nachwort von Jan Bürger (München: C. H. Beck textura, 2015).

Das Empire auf dem Rückzug

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Jan Morris, Farewell the Trumpets

Fast hätt‘ ich’s vergessen – ich schulde ja noch den dritten Teil jenes Triptychons, welches Jan Morris gemalt hat, wenngleich mit Worten: jene Empire-Trilogie, deren ersten beiden Teile hier schon vorgestellt wurden (Links am Ende des Beitrags). Dieser letzte Teil führt uns vom großen Jubiläumsjahr 1897 bis zum Begräbnis Winston Churchills im Jahre 1965.

Nach dem Spektakel anlässlich des 60jährigen Regierungsjubiläums der Königin Viktoria – zugleich Empress of India –, verloren die Briten nach Ansicht von Jan Morris ihren Enthusiasmus fürs Empire. Einerseits stellten humanistische Strömungen daheim den Kolonialismus in Frage; andererseits erschütterten dramatische Ereignisse das Selbstvertrauen der Kolonialherren. Da war zunächst einmal der Zweite Burenkrieg (1899–1902), der beinahe verloren ging, und dann natürlich der Erste Weltkrieg. Der stellte die angebliche Überlegenheit der europäischen Zivilisation in Frage.

Ironischerweise erreichte das Empire eben damals, nach dem Ersten Weltkrieg, seine größte Ausdehnung. Das lag an den Mandatsgebieten, welche Großbritannien im Auftrag des Völkerbundes verwaltete. Dazu gehörte auch Palästina, welches sich freilich zu einem Stachel im Fleisch der Briten entwickeln sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich eben hier, wie sehr der Wille zum Empire geschwunden war: Das Gebiet wurde letztlich aufgegeben, einfach so, um die Lösung der vertrackten Probleme sollten sich andere kümmern.

Das war 1947/48 – eben jene Zeit, welche tatsächlich das Ende des Empires brachte, und zwar ganz wortwörtlich, indem der indische Subkontinent unabhängig wurde, the Indian Empire. Unblutig ging der Prozess freilich nicht vonstatten, wie Briten bis heute behaupten; die Spaltung zwischen Hindus und Moslems forderte vielmehr hunderttausende, wenn nicht Millionen Opfer. Nicht ganz unblutig verlief außerdem der Rückzug aus anderen Kolonien: Malaya zum Beispiel, oder Kenia. Als ich im Alter von sechzehn Jahren zum ersten Mal in England war, sahen wir in den Abendnachrichten Bilder von den Kämpfen im Krater von Aden – so ziemlich der letzte Außenposten east of Suez, sieht man einmal von Rhodesien ab, welches die britische Außenpolitik noch lange belasten sollte.

Das Begräbnis Churchills hab’ ich selbst mitverfolgt, live im Fernsehen. Ein passender Schlusspunkt? Ja, ich denke schon. Noch im Zweiten Weltkrieg hat jemand gesagt, seine Mentalität entspreche der eines Leutnants bei den Husaren. Man denkt sofort an die Schlacht von Omdurman (1898), wo er an der letzten großen Kavallerieattacke der britischen Armee teilgenommen hatte. Die weite, vielfältige Welt der Briten, die wurde mit ihm wohl wirklich zu Grabe getragen. Trotzdem sind ihre Spuren bis heute gegenwärtig – man gehe bloß in jede beliebige Dorfkirche und studiere die Inschriften an den Wänden sowie auf den Grabplatten am Boden. Vor allem aber hat das Empire meiner Beobachtung zufolge tiefe Spuren in der britischen Mentalität hinterlassen. Brexit hat das neuerlich zu Tage gefördert: Dabei geht’s nicht um sentimentale Nostalgie für vergangene Größe, nein – es handelt sich um das Gefühl des British exceptionalism, die tiefsitzende Überzeugung, die Briten seien etwas Besonderes.

Jan Morris ist im November 2020 verstorben, 94 Jahre alt. Ich glaube, sie hat diesen exceptionalism geteilt. Eine gewisse Nostalgie für die Tage, als ein Viertel der Weltkarte rot eingefärbt war, kann sie auf keinen Fall verleugnen (und will’s auch nicht). Politisch korrekt ist sie nicht – im Gegenteil, in diesen ikonoklastischen Tagen könnte sie leicht selbst zur Zielscheibe werden.

Ihr Leben – nun, das ist eine andere Geschichte, für die hier vielleicht später einmal Platz sein wird. Ich hab’ – wie schon einmal erzählt – Jan Morris persönlich erlebt, und zwar beim Literaturfestival Ways With Words in Dartington. Der Auftritt blieb mir in Erinnerung, einfach deshalb, weil da eine so beeindruckende Persönlichkeit sprach.

Empfehlenswert? – Na ja, man muss schon spezielles Interesse für englische Geschichte mitbringen. Ist das der Fall, dann: ja, durchaus.

Jan Morris, Farewell the Trumpets: An Imperial Retreat (London: Faber and Faber, paperback edn. 2012). First publ. 1978.

The British Empire, I Presume?
Das Empire am Höhepunkt
Jan Morris, Farewell the Trumpets

Almost forgot – I still owe the reader Part Three of the triptych painted by Jan Morris, albeit with words: the Empire Trilogy, the first two parts of which have already been introduced here (links at the end of the article). This last part takes us from the great Jubilee of 1897 up to Winston Churchill’s funeral in 1965.

In 1897, Queen Victoria had been on the throne for sixty years. During that time, she had also acquired the title of Empress of India. But according to Jan Morris, British enthusiasm for the Empire began to wane after the Diamond Jubilee celebrations. On the one hand, humanist voices at home started to undermine the colonialist mindset; on the other hand, dramatic events shook the colonial rulers’ confidence. First, there was the Second Boer War (1899-1902), which was almost lost, and then, of course, the Great War, which challenged the supposed superiority of European civilisation.

Ironically, it was precisely then, after the Great War, that the Empire reached its greatest expansion. This was due to the mandated territories that Great Britain administered on behalf of the League of Nations. They included Palestine, which was to become a thorn in the flesh of the Empire. After the Second World War, it became obvious how weak British Imperialism had become: the whole region was eventually abandoned, just like that, the solution to the intricate problems left to others.

That was 1947/48 – the time that literally brought the end of the Empire as the Indian subcontinent became independent: the Indian Empire. The process was not bloodless, as the British like to believe; the separation of Hindus and Muslims claimed hundreds of thousands, if not millions of lives. The withdrawal from other colonies was not entirely peaceful either: Malaya, for example, or Kenya. When I was in England for the first time, at the age of sixteen, we saw pictures of the fighting in the crater of Aden in the evening news – pretty much the last outpost east of Suez, apart perhaps from Rhodesia, which was to weigh heavily on British foreign policy for a long time to come.

I watched Churchill’s funeral live on television. A fitting ending? Yes, I think so. As late as the Second World War, someone remarked that Churchill still thought like a lieutenant in the Hussars. One immediately thinks of the Battle of Omdurman (1898), where he had taken part in the last decisive cavalry charge by the British Army. The wide and varied world of the British, it seems, was really laid to rest with him. Nevertheless, its traces are present even today – just visit any village church and study the inscriptions on the walls and on the gravestones on the floor. But above all, I seem to have observed, the Empire has left deep traces in the British mentality. Brexit has brought them to light again: It hasn’t been inspired by sentimental nostalgia for past greatness, no – but even today, it’s driven by a sense of British exceptionalism: the deep-seated conviction that the British are special.

Jan Morris passed away in November 2020, aged 94. I think she shared that exceptionalism. She can’t deny a certain nostalgia for the days when a quarter of the world’s map was coloured red (and I don’t think she’d want to). Politically correct? Definitely not – on the contrary, in these iconoclastic days she could easily become a target herself.

Her life – well, that’s another story for which there may be time later. As mentioned before, I saw and heard Jan Morris personally at the Ways With Words literary festival in Dartington. I remember her vividly, simply because she was such an impressive person.

Recommended? – Well, you have to have a special interest in English history. If that is the case: then yes, by all means.

Jan Morris, Farewell the Trumpets: An Imperial Retreat (London: Faber and Faber, paperback edn. 2012). First publ. 1978.

The British Empire, I Presume? 
Das Empire am Höhepunkt

Roosevelt und sein New Deal

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William E. Leuchtenburg, Franklin D. Roosevelt and the New Deal

Unter dem New Deal versteht man üblicherweise jene Maßnahmen, welche Präsident Franklin Delano Roosevelt und seine Administration ab ihrem Amtsantritt im Jahre 1933 ergriffen, um der wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe Herr zu werden, die durch den Wall Street crash 1929 und die folgende Wirtschaftskrise ausgelöst worden war. Und gerade die soziale Erschütterung nahm wirklich katastrophale Ausmaße an: Millionen um Millionen von Arbeitslosen, bis zu einem Drittel aller Arbeitskräfte, welche ohne Unterstützung versuchten mussten, irgendwie zu überleben. Vielen gelang es nicht – sie verhungerten, und das im angeblich reichsten Land der Welt!

Hier versuchte die Roosevelt-Regierung also gegenzusteuern, und zwar mittels eines ganzen Bündels von Maßnahmen. Viele davon wurden von eigens dafür ins Leben gerufenen Körperschaften durchgeführt, wegen ihrer Namen alphabetical agencies genannt: FERA, CCC, WPA, TVA. Nicht alle stießen auf Gegenliebe. Was am meisten erregte, das war die massive Ausweitung der Regierungszuständigkeiten, der Regierungsaktivitäten. Da wurde, wie könnte es anders sein, das Höchstgericht bemüht, und allzu häufig fiel es den Reformbestrebungen in den Arm. Aufhalten konnte es den New Deal letztlich aber doch nicht.

Wozu noch zu sagen wäre, dass Roosevelt selbst offenbar alles andere als ein selbstbewusster, selbstsicherer politischer Führer gewesen zu sein scheint. Zumindest erweckt die Darstellung von William D. Leuchtenburg diesen Eindruck. Er zögerte oft lange, ließ nichts von seiner eigenen Absicht oder Vorliebe erkennen, sei es aus Taktik, sei es, weil er selbst gar nicht sicher war.

Das tat seiner Popularität allerdings keinen Abbruch. Seine fireside chats im Rundfunk sind legendär. Er wurde 1936 wiedergewählt, dann wieder 1940. Letzteres stellte nicht nur eine Sensation dar, sondern einen Tabubruch: „No man is good three times“, hieß es im Wahlkampf. Dessen ungeachtet wurde er 1944 noch ein weiteres Mal gewählt – das liegt allerdings jenseits der Zeitspanne, mit welcher sich das gegenständliche Buch beschäftigt.

Aufrgund seiner Popularität beherrschten die Demokraten nicht nur das House of Representatives, sondern auch den Senat. Das machte den New Deal erst möglich. Allerdings lag dessen Denken, dessen Ansatz so sehr in der Luft – oder vielleicht auch auf der Straße –, dass selbst Republikaner den Präsidenten unterstützten.

Ganz besiegen konnten die Agencies des New Deal weder die Wirtschaftskrise noch die Arbeitslosigkeit, selbst wenn sich die Lage in den USA natürlich drastisch verbesserte. Das wird von forschen Wirtschaftsliberalen heute ins Treffen geführt, um zu zeigen, dass staatliche Interventionen in die Wirtschaft grundsätzlich nichts bringen, vielmehr schaden. Andererseits kann ebenso gut argumentiert werden, dass die New Dealers zu wenig getan hätten. Roosevelt scheute vor konsquentem deficit spending zurück, träumte stets von einem ausgeglichenen Budget.

Wirklich beendet wurden Krise samt Arbeitslosigkeit erst durch den Krieg, besonders durch die rasante Aufrüstung seit dem Kriegseintritt der USA (1941). Auch dies wird als Argument gegen die Interventionen des New Deal herangezogen. Aber was ist ein Krieg, was ist Aufrüstung anderes als ein gigantisches Regierungsprogramm? Was da plötzlich möglich wird an deficit spending, an Wirtschaftsplanung, an Preiskontrollen! Dass viel von dem solcherart Produzierten anschließend verpulvert wird (im wahrsten Sinne des Wortes), das dürfte sich in diesem Falle sogar positiv auswirken. Man erinnert sich an den Vorschlag von Keynes, in einer Krise Geld in alten Bergwerken zu vergraben und Arbeitskräfte dafür zu bezahlen, es wieder auszubuddeln.

Eine deprimierende Erkenntnis bleibt: der unglaublich kleinliche, schäbige Geiz der Reichen, die zwar die Rettung der Wirtschaft in den ersten Tagen der Roosevelt-Amtszeit 1933 dankbar entgegennahmen (three days to save capitalism), dann aber nicht bereit waren, auch nur einen lausigen dime beizusteuern, wenn’s ums Elend der Menschen ging. Ganz im Gegenteil beklagten sie die Eingriffe des New Deal mit den pseudo-philosophischen Phrasen von Freiheit und Liberalismus und so. Das kennen wir heute ja bis zum Übelwerden.

Trotz aller Widersprüche, trotz allen Stückwerks stellte der New Deal eine fundamentale Wende in der Geschichte der Vereingten Staaten dar (und nicht nur dort): Eine völlig neue Sicht von der Rolle des Staates, von seiner Verantwortung. Er war nun bis zu einem bestimmten Maße für die Wirtschaft verantwortlich, vor allem aber konnte er nicht mehr zuschauen, wie es Massen seiner Bürger miserabel erging. Im Prinzip hat sich diese Anschauung bis heute erhalten, obwohl ab etwa 1980 versucht wird, sie zu untergraben. Für uns ist in diesem Zusammenhang noch etwas zu bedenken: Das positive Bild, welches wir nach 1945 von den USA hatten, die Leichtigkeit, mit der die Amerikaner unsere hearts and minds gewannen (und die Heftigkeit, mit der sie uns manchmal enttäuschten) – all das war und ist bloß denkbar aufgrund des New Deal, aufgrund des breit gestreuten Wohlstandes, den er ermöglichte. Das war das Bild, das wir von den Vereinigten Staaten hatten. Insofern gewann der New Deal fast schon globale Bedeutung – na ja, nicht ganz, aber sicher im damals so genannten Westen – und Franklin Delano Roosevelt käme so gesehen beinahe weltgeschichtliche Bedeutung zu.

Empfehlenswert? – Na ja. Man muss schon Interesse an den Details haben, am Hin und Her der politischen und juridschen Prozesse. Ist das der Fall, dann Ja.

William E. Leuchtenburg, Franklin D. Roosevelt and the New Deal 1932–1940 (New York: Harper Perennial, 2009).
William D. Leuchtenburg, Franklin D. Roosevelt and the New Deal

When Franklin D. Roosevelt assumed office in 1933, he and his administration took urgent steps to counter the severe economic and social crisis triggered by the Wall Street crash four years earlier. That was the beginning of a policy that would become known as the New Deal. The social crisis had indeed taken on disastrous proportions: millions upon millions of unemployed, up to a third of the workforce, and they had to survive without much support, if any. Many did not – they starved, quite literally, in what was supposed to be the richest country in the world.

The Roosevelt administration tried to alleviate the crisis by a whole bundle of measures. Many of these were carried out by specially created bodies known as the alphabetical agencies because of their acronyms: FERA, CCC, WPA, TVA. Not all of them met with approval. The massive expansion of government responsibilities and activities met fierce criticism. Inevitably, the dispute went to the Supreme Court, which did indeed slow down the march of the progressives. In the long run, however, it could not stop the New Deal.

It has to be said that Roosevelt himself seems to have been anything but a self-confident, self-assured political leader. At least, that’s the way William D. Leuchtenburg portrays the man. Roosevelt tended to procrastinate for long periods, hiding his own intentions and preferences partly for reasons of tactics but also because he himself was still vacillating.

None of this diminished his popularity. His fireside chats on the radio have become legendary. He was re-elected in 1936, then again in 1940, which was not only a sensation but definitely broke a taboo: „No man is good three times“, was his opponent’s campaign slogan. Nevertheless, he was elected yet another time in 1944 – but this is beyond the time span covered in this book.

Due to Roosevelt’s popularity, the Democrats dominated not only the House of Representatives but also the Senate, which was another precondition for the success of the New Deal. However, its thinking, its approach seemed to be in the air – or maybe on the streets – so that even Republicans began to support the president.

Not even the agencies of the New Deal were able to completely overcome the economic crisis or the ensuing unemployment, even if the overall situation improved drastically. Brash economic liberals have used the evidence ever since to argue that economic intervention by government is not just useless but downright damaging. On the other hand, it can just as well be argued that the New Dealers did too little. Roosevelt shied away from determined deficit spending, persistently chasing the dream of a balanced budget.

Economic crisis and unemployment were only really ended by the war, especially by rapid rearmament when the USA were drawn into the conflict (1941). This is used as another argument against the central planning by the New Dealers. But then war and rearmament are nothing if not gigantic bouts of government spending. The fact that a lot of it quite literally goes up in smoke might even have a positive effect in this case. One is reminded of Keynes’s proposal to bury money in old mines in a crisis and pay workers to dig it up again.

There is another lesson that endures, although it is rather depressing: the incredibly petty, shabby stinginess of the rich, who gratefully accepted emergency measures for the economy in the first days of the Roosevelt administration in 1933 (“three days to save capitalism”), but then were not prepared to contribute even a lousy dime when it came to alleviating the misery of the masses. On the contrary, they lamented the interventions by the New Deal with pseudo-philosophical phrases of freedom and liberalism and the like. Today, we’re bombarded by such phrases ad nauseam.

Despite all the contradictions and despite all the patchwork, the New Deal represented a fundamental turning point in the history of the United States (and not only there): a completely new view of the role of government, of its responsibility. Suddenly it was even responsible for the economy to a certain extent, but above all it could no longer stand by while masses of its citizens were suffering. In principle, this view has survived until today, although attempts to undermine it have been going on since around 1980. Austrians of my generation should remember one more thing: the way we admired the United States after 1945, the ease with which Americans won our hearts and minds (and the vehemence with which they sometimes disappointed us) – all this has only been possible because of the New Deal, because of the widespread prosperity it engendered. That was the image of the United States we had in mind. In this respect, the New Deal almost gained global significance – well, not quite, but certainly in what was then called the West – and consequently, Franklin Delano Roosevelt may come close to world-historical significance.

Recommended? – Well. Obviously you have to be interested in the details of the New Deal, in the hither and thither of political and legal processes. But if this is the case, then: yes.

William E. Leuchtenburg, Franklin D. Roosevelt and the New Deal 1932–1940 (New York: Harper Perennial, 2009).

Die Anfänge des jüdischen Staates

Tom Segev, Die ersten Israelis

Selbst hier bei uns gab’s seinerzeit so etwas wie einen Israel-Mythos, besonders nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Schon die Gründung des Staates (1948), der Unabhängigkeitskrieg – das alles wurde verstanden als eine Art Wunder, ein Sieg gegen übermächtige Gegner und Umstände, erzielt von einem Staatswesen europäischer Machart, jedoch mit reiner Tugendhaftigkeit. Wir glaubten das, und zwar aus einem einfachen Grund: weil wir’s glauben wollten. Wir hätten wissen müssen, dass es so nicht sein konnte.

Inzwischen hat sich viel getan, wir haben sehr viel Wasser in unseren Wein gegeben, und an unseren Idealismus erinnern wir uns nicht gar so gerne. Der israelische Historiker Tom Segev ist den damaligen Hoffnungen und Enttäuschungen nachgegangen, sechzig Jahre nach der Staatsgründung, nun aber mit Zugang zu Archiven sowie zum Tagebuch des Gründervaters und ersten Ministerpräsidenten David Ben-Gurion. Was er zu berichten hat, ist trotz aller zeitlichen Distanz ein weiteres Mal ernüchternd.

Mit der Ausrufung des souveränen Staates Israel ergab sich sofort und unausweichlich das Problem der arabischen Menschen auf dem neuen Staatsgebiet. Wer sich modernen, sozialistisch inspirierten Gleichheits- und Integrationswillen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Von Anfang an wünschten die führenden Politiker nur eines: dass die Araber verschwinden mögen. In der Vision eines jüdischen Staates konnten sie bloß stören. Kein Wunder, dass kräftig nachgeholfen wurde, um den Wunsch zu erfüllen, auch mit brutalen Mitteln. Trotzdem blieben viele und bildeten eine beträchtliche Minderheit im Lande – ein schwelender Konflikt bis heute.

Nach Ende des Unabhängigkeitskrieges kamen unzählige Einwanderer ins Land. Zunächst wurden sie eifrig angelockt: Israel brauchte dringend Menschen. Doch führte die Masseneinwanderung zu neuen Problemen. Die Neuankömmlinge wurden in Lager gesteckt, ihre Lebensbedingungen spotteten jeder Beschreibung, von Willkommen keine Spur. Das galt besonders für die zahlreichen Einwanderer aus Nordafrika. Hier tat sich eine tiefe kulturelle Kluft auf – wenn nicht gar eine rassistische. Die Aschkenasim, also die europäischen Juden, betrachteten diese Sephardim, wie sie zunächst behelfsmäßig bezeichnet wurden, mit äußerstem Misstrauen, ja sogar Furcht: Denn Israel sollte ein aufgeklärter, sozialer (wenn nicht gar sozialistischer) Staat werden. Wie Tom Segev in seinem Werk über das Jahr 1967 gezeigt hat, sorgten diese Mizrachim – so wurden sie zwanzig Jahre später genannt – immer noch für Spannungen, Ängste, Konflikte.

Weitere Konflikte kamen nach der Staatsgründung hinzu, so etwa mit aggressiven Zionisten, aber auch mit Gewerkschaftern. Dass Israel exponiert war, gefährdet, das war uns allen bewusst; nicht aber, dass es so exponiert war, dass seine Existenz noch lange nicht gesichert erschien, und zwar nicht nur aufgrund äußerer Bedrohung, sondern auch im Bewusstsein seiner Bürger. Ebenso wenig war uns bewusst, wie rücksichtslos, wie machiavellistisch seine führenden Politiker oft dachten.

Es ist mir nicht bekannt, wie Tom Segevs Buch in Israel aufgenommen wurde: Hat man sich an derlei Enthüllungen, an die Entmythisierung inzwischen gewöhnt? Oder erregte es Anstoß, Skandal? Er selbst würde so was wohl aushalten, in Anbetracht jener Werke, die er zuvor schon geschrieben hat und die ihm nationale ebenso wie internationale Anerkennung einbrachten. Dazu zählen etwa das bereits erwähnte 1967 sowie Simon Wiesenthal: Die Biographie (siehe Link am Ende des Beitrags).

Empfehlenswert? – Nun, die Untersuchung ist ziemlich detailliert ausgefallen, für Leser oder Leserinnen hierorts vielleicht ein bisschen zu detailliert, aber trotzdem: Ja, sofern man sich fürs Thema interessiert.

Gelesen: Der Nazi-Jäger

Segev, Tom, Die ersten Israelis: Die Anfänge des jüdischen Staates (München: Siedler Verlag, 2008).

Just Read: Revolution in Russia

Deutsche Fassung >>

When I was at university, we were constantly discussing „the revolution“. It became something like a sacred concept: Revolution good, opponents evil. Although I did not share the view, I learned a lot about a chapter in history that I had only heard about vaguely. But I only learned certain aspects: heroic, glorified.

Thirty years later, the British historian Orlando Figes re-tells the story with the knowledge of today, especially of course with access to archives. He does so in two related but distinct works: First, in the detailed 900-page study A People’s Tragedy 1891-1924, then in a condensed history of the Russian Revolution from 1891 to 1991, Revolutionary Russia. In the latter work, the revolutionary year 1917 itself is discussed rather briefly. Thus, while the two books certainly overlap, they do so only partially; mostly, they complement each other.

Even the run-up, including the 1905 revolution, is rather depressing: the unshakeably autocratic rigidity of the tsarist system; violent conflicts in the countryside; supply shortages during World War I, which also caused gigantic losses resulting in the war-weariness and rebelliousness of Russian soldiers – as well as their readiness to resort to violence.

The year 1917 is mainly presented as anarchist chaos: hunger riots, strikes, all kinds of armed gangs, shooting, plunder, torture, murder. In Orlando Figes’ narrative, Lenin and his Bolsheviks appear less as intellectual saviours than as reckless members of an armed gang. They won because they had the least – or more precisely, because they had no scruples at all. Execute, execute, execute. It was Lenin who introduced this mode of action and who made terror a means of Bolshevik politics. Figes paints a rather critical picture of the revolutionary leader, and I think rightly so. Lenin was the first of those horrible 20th century monsters.

And what about revered Marxism? The intellectual dimension?

„It was not Marxism that made Lenin a revolutionary but Lenin who made Marxism revolutionary“, the author comments dryly.

The armed coup of October 1917 was followed by civil war, terror, famine of unconceivable dimensions. Stalin was not a deviation but the logical consequence of what Lenin had initiated. And so it went on, in drastic form until 1953 (Stalin’s death), somewhat less drastically until the eighties.

„History is the science of human misery“, the French writer Raymond Queneau reportedly said. Nowhere does this become more bleakly visible than in the two books by Orlando Figes.

Recommended? – Yes, especially the shorter book. The first one requires stamina, and the reader has to put up with a lot of cruelty.

Orlando Figes, A People’s Tragedy: The Russian Revolution 1891–1924, 100th Anniversary Edition (London: The Bodley Head, 2017).

Orlando Figes, Revolutionary Russia 1891–1991: A History (New York: Picador, 2015).

Gelesen: Revolution in Russland

for an English version, see here >>

Als ich an der Uni studierte, da wurde dauernd über „die Revolution“ geredet. Sie wurde zum sakralen Konzept: Revolution gut, ihre Gegner bös’. Ich teilte diese Auffassung zwar nicht, trotzdem lernte ich viel über ein Kapitel, von dem ich zuvor nur höchst vage gehört hatte. Allerdings lernte ich nur bestimmte Aspekte: die heroischen, die glorifizierten.

Dreißig Jahre später geht der britische Historiker Orlando Figes dieser Geschichte mit dem Wissen von heute nach, besonders natürlich mit dem Zugang zu Archiven. Er tut dies in zwei verwandten, aber doch unterschiedlichen Werken: Zunächst in der 900 Seiten schweren detaillierten Untersuchung A People’s Tragedy 1891–1924, dann in einer komprimierten Geschichte der russischen Revolution von 1891 bis 1991, Revolutionary Russia. Hier wird das eigentliche Revolutionsjahr 1917 eher kurz besprochen. Die beiden Bücher überschneiden sich demnach nur teilweise, ergänzen sich eher.

Schon die Vorgeschichte inklusive der Revolution von 1905 ist eher deprimierend: die völlige Starre des autokratischen zaristischen Systems; die oft gewaltsamen Konflikte auf dem Lande; Versorgungsengpässe während des Ersten Weltkriegs, der überdies gigantische Verluste verursachte, woraus die Kriegsmüdigkeit und die Aufmüpfigkeit der russischen Soldaten resultierte – allerdings auch ihre Gewaltbereitschaft.

Das Jahr 1917 bietet sich vor allem als anarchistisches Chaos dar: Hungerkrawalle, Streiks, alle möglichen bewaffneten Formationen, es wird geschossen, geplündert, gefoltert, gemordet. Lenin und seine Bolschewiken treten bei Orlando Figes weniger als intellektuelle Heilsbringer auf denn als eine eiskalte bewaffnete Bande. Sie gewannen, weil sie am wenigsten – oder genauer: weil sie überhaupt keine Skrupel hatten. Erschießen, erschießen, erschießen. Es war Lenin, der diese Gangart einführte, den Terror zu einem Mittel bolschewistischer Politik machte. Insgesamt kommt er nicht gar so gut weg bei Figes, und ich glaube: zu Recht. Lenin war das erste dieser schrecklichen Monster des 20. Jahrhunderts.

Und der hehre Marxismus? Die intellektuelle Dimension?

„It was not Marxism that made Lenin a revolutionary but Lenin who made Marxism revolutionary“, kommentiert der Autor trocken.

Auf den gewaltsamen Putsch des Oktobers 1917 folgten Bürgerkrieg, Terror, Hungersnöte ungeahnten Ausmaßes. Stalin war keine Abweichung, sondern die logische Konsequenz aus dem, was Lenin grundgelegt hatte. Und so ging es weiter, in drastischer Form bis 1953 (Stalins Tod), etwas weniger drastisch bis in die achtziger Jahre.

„Die Geschichte ist die Wissenschaft vom Unglück des Menschen“, soll der französische Schriftsteller Raymond Queneau einmal gesagt haben. Nirgends wird das so unerbittlich, so trostlos sichtbar wie in den beiden Werken von Orlando Figes.

Empfehlenswert? – Ja, besonders das kürzere Buch. Das erste braucht schon einen langen Atem, und die Grausamkeiten muss man auch aushalten.

Orlando Figes, A People’s Tragedy: The Russian Revolution 1891–1924, 100th Anniversary Edition (London: The Bodley Head, 2017).

Orlando Figes, Revolutionary Russia 1891–1991: A History (New York: Picador, 2015).

Gelesen

Der hohe Preis des Friedens

Am 23. November 1918 marschierten italienische Truppen unter klingendem Spiel – wie’s damals wohl hieß – in Innsbruck ein. In den Wochen zuvor hatten sie bereits Südtirol besetzt. Was vielleicht weniger bekannt ist: Die Tiroler hatten die Bayern zu Hilfe gerufen, welche tatsächlich bis Franzensfeste vorrückten, dann aber Tirol wieder räumten.

Die Jahre 1918–1922 und die Teilung Tirols sind das Thema des Bandes Der hohe Preis des Friedens der beiden Historiker Marion Dotter und Stefan Wedrac. Südtirol war den Italienern bei der Londoner Konferenz 1915 von Frankreich und England versprochen worden. Nordtirol hingegen nicht – hier agierten die italienischen Truppen aufgrund einer Klausel in den Waffenstillstandsbedingungen, wonach sie sich frei im gesamten österreichischen Staatsgebiet bewegen durften. So kam es zu einer kurzfristigen Besetzung, die im Übrigen auch kleine englische und französische Kontingente ins Land brachte. Auf diesen Umstand war ich vor ein paar Jahren anlässlich einer Ausstellung im Imperial War Museum in London aufmerksam geworden.

Die Italiener hatten niemals die Absicht, in Nordtirol zu bleiben. Sie ließen die Bevölkerung in Ruhe, es kam kaum zu Ausschreitungen, eher im Gegenteil: Die Truppen erwiesen sich als hilfsbereit, sei’s bei der Aufrechterhaltung der Ordnung oder bei der Versorgung der Bevölkerung – damals bekanntlich eine prekäre Angelegenheit. Wirklich dankbar waren die Nordtiroler trotzdem nicht: der Feind blieb der Feind.

Die Besetzung nördlich des Brenners endete 1920. Nicht so in Südtirol. Hier waren die Italiener gekommen, um zu bleiben, und das stellten sie von allem Anfang an unerbittlich klar – bitter für die ansässige Bevölkerung. Anfänglich stand die neue Provinz unter Militärverwaltung. Trotzdem legte selbst deren Befehlshaber großen Wert darauf, dass die Bevölkerung in ihrer Lebensweise, ihrer Kultur nicht beeinträchtigt werde. Dasselbe galt in der Folge für die Zivilverwaltung. Beide orientierten sich an den großzügigen, liberalen Vorstellungen früherer Zeiten. Dies entsprach auch den Vorgaben der demokratisch gewählten Regierung in Rom. Nationalisten wie Ettore Tolomei kamen vorerst nicht zum Zug.

Ein einigermaßen gedeihliches Neben- oder gar Miteinander ergab sich daraus freilich nicht. Das mochte einerseits aus dem – durchaus verständlichen – Trotz der Südtiroler resultieren, andererseits wohl auch aus dem stolzen Gebaren der neuen Herrscher. Vor allem aber etablierte sich ein neuer Verwaltungs- und Rechtsapparat mit fremdartigen Gesetzen und Gebräuchen, dessen Vertreter noch dazu bloß Italienisch sprachen. Da half es nichts, dass die Schulen nach wie vor so liefen wie zuvor; jetzt wäre Italienisch gefragt gewesen. Die Vorherrschaft des überwiegend italienischsprachigen Trentino, mit dem Bozen verwaltungstechnisch zusammengeschlossen war, stellte einen weiteren Zankapfel dar.

Und in den Kulissen warteten bereits die Faschisten. Ab etwa 1920 wurde deren Propaganda immer lauter, ihr Auftreten provokanter. Es kam zu Zusammenstößen, die Repression der italienischen Exekutive verhärtete sich. 1922 kamen sie an die Macht.

Wie’s weiterging, ist nicht mehr Thema dieses Buches. Es handelt sich zwar um eine wissenschaftliche Arbeit, dessen ungeachtet schreiben Marion Dotter und Stefan Wedrac jedoch durchgehend klar und leicht verständlich. Das soll lobend hervorgehoben werden. Sie schließen eine kleine, aber doch empfindliche Lücke in unserem Geschichtsbewusstsein. Für den Frieden nach dem Ersten Weltkrieg hatten alle – ausgenommen höchstens die US-Amerikaner – einen hohen Preis zu zahlen. Am größten dürfte er wohl im Russischen Reich gewesen sein. Aber auch für die Südtiroler gestaltete er sich äußerst schmerzhaft – und anhaltend.

Marion Dotter, Stefan Wedrac, Der hohe Preis des Friedens: Die Geschichte der Teilung Tirols 1918–1922 (Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia, 2018).

Das Empire am Höhepunkt

Jan Morris, Pax Britannica

[for an English version see below]

Hier haben wir also den zweiten Teil jenes Triptychons, von welchem schon einmal die Rede war (Verknüpfung am Ende des Beitrags) – die Tafel in der Mitte. Vom Ansatz her unterscheidet sich dieser Band radikal vom ersten. Nun haben wir’s nämlich mit einer Art Momentaufnahme zu tun: das britische Empire zum Zeitpunkt der großen Jubiläumsfeiern im Jahre 1897 – damals war Königin Victoria 60 Jahre auf dem Thron – und gleichzeitig an seinem Höhepunkt.

Wie Jan Morris das schildert, war die Königin – und Kaiserin von Indien, Empress of India – selbst zu einer bedeutenden Symbolfigur dieses Empires geworden, nicht bloß daheim, sondern eben auch und besonders bei den vielen, vielen Völkern in diesem Reich. Und seine Teile, die fanden sich damals auf allen Kontinenten (wenn man einmal die Antarktis ausnimmt) – etwa ein Viertel der Erdoberfläche mit ungefähr demselben Anteil der Weltbevölkerung. Es handelte sich um das größte Reich, welches uns aus der Geschichte bekannt ist.

Dabei war es keineswegs einheitlich zentral organisiert, eher im Gegenteil: Das Colonial Office in London gab sich als kleine, elitäre Institution, vergleichbar mit einem Club. Dasselbe galt fürs India Office (im selben Gebäude in Whitehall, heute das Finanzministerium), obwohl es doch fürs Herzstück des Empire verantwortlich zeichnete, für die British Raj, die Herrschaft der Briten am indischen Subkontinent. In Wirklichkeit, so Jan Morris einmal, sei das Empire von 43 verschiedenen Regierungen gesteuert worden.

Ebenso buntscheckig gestalteten sich die Geschichte dieses Reiches sowie die Motive, die hinter seinem Anwachsen standen. Dazu zählten Geld- und Machtgier ebenso wie der Bekehrungseifer christlicher Prediger, der Glaube an die zivilisatorische Mission, the white man’s burden, ebenso wie technologische Überlegenheit dank Eisenbahn und Telegraph (und, nie zu vergessen, die Maxim gun). Außerdem bot das Empire Raum für die wachsende Bevölkerung der britischen Inseln sowie ein Betätigungsfeld für abenteuerlustige Soldaten oder Forscher.

Um 1897, so Jan Morris, seien die Briten dem New Imperialism verfallen gewesen, welcher das Empire ideologisch begründete, mit Sinn versah und verklärte. Sie schreibt zwar, dass das Reich wenig sichtbare Denkmäler in England hinterlassen habe, nicht einmal in London, und da wird sie wohl recht haben. Umso markanter waren jedoch die Spuren in der britischen Mentalität. Morris hebt zwei Verhaltensweisen hervor: aloofness, Distanziertheit, und smugness, Selbstgefälligkeit. Ob solche Haltungen im 21. Jahrhundert wirklich ausgestorben sind, mag dahingestellt bleiben; old habits die hard, wie man auf Englisch sagt.

Natürlich ist das, was ich hier wiedergegeben habe, nur ein kleiner und recht kläglicher Ausschnitt aus dem Panorama, welches Jan Morris malt. Aber um es in seiner Gesamtheit zu würdigen, wird man wohl das Buch lesen müssen. Ganz egal, was man selbst noch hinein- oder herausnörgeln möchte – es steht außer Zweifel, dass Jan Morris da ein Meisterwerk gelungen ist: unfassbar die Weite ihrer Sichtweise; beeindruckend, wo sie überall selbst gewesen ist; und einfach begeisternd, wie sie’s präsentiert. Das alleine schon macht die Lektüre zu einem Fest.

Empfehlenswert? – Klar, ja, das versteht sich nach allem, was hier gesagt wurde, von selbst.

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So here we have the second part of the triptych which has been discussed recently (see link at the end of the posting) – the central panel. In its approach, this volume radically differs from the first. What we have now is a kind of snapshot: the British Empire at the time of the great jubilee celebrations of 1897 – Queen Victoria had been on the throne for 60 years – and at the same time at its apogee.

As Jan Morris describes it, the Queen – and Empress of India – had herself become an important symbol of this empire, not only at home, but particularly among its many, many subject peoples. Its parts were to be found on all continents (if one excludes Antarctica) – about a quarter of the earth’s surface with about the same proportion of world population. It was the largest empire known in history.

Yet it was by no means systematically centralized, quite the opposite: the Colonial Office in London did not pretend to be more than a small elitist institution, comparable to an exclusive club. This was also true for the India Office (housed in the same building in Whitehall, today the Ministry of Finance), although it was responsible for the heart of the Empire, the British Raj, i.e. the British rule on the Indian subcontinent. In fact, Jan Morris once says, the Empire was run by 43 different governments.

The history of the Empire and the motives behind its growth were just as colourful. The latter included the greed for money and power just as much as the proselytising of Christian missionaries; the belief in the mission of civilisation, the white man’s burden, just as much as technological superiority thanks to the railway and the telegraph (plus, not to be forgotten, the Maxim gun). In addition, the Empire offered space to the growing population of the British Isles and a field of activity for adventurous soldiers or explorers.

According to Jan Morris, by 1897 the British had become addicted to New Imperialism, which gave the Empire an ideological foundation, provided it with meaning, and glorified the whole enterprise. She remarks that the Empire left few visible monuments in England, not even in London, and in this she may be right. However, its traces in the British mentality were all the more striking. Morris emphasizes two attitudes: aloofness, and smugness. Whether they have really died out in the 21st century, is a matter of debate; old habits die hard, as they say.

Of course, what I have reproduced here is only a small and rather imperfect extract of the panorama that Jan Morris paints. In order to appreciate it in its entirety, one will have to read the whole book. No matter what pedantic quibbles one may have – there can be no doubt that Jan Morris has succeeded in creating a masterpiece: the scope of her perspective is breathtaking; the sheer number of places she’s been to herself is impressive; and the way she presents her material is simply inspiring. That alone makes the reading a feast.

Recommended? – Certainly, yes; goes without saying after all that has been written here.

Jan Morris, Pax Britannica: The Climax of an Empire, paperback edn. (London: Faber and Faber, 2012). Vol. 2 of the Pax Britannica trilogy; first publ. 1968.

Zum ersten Teil der Trilogie siehe The British Empire, I Presume?
Weiters: Das Empire auf dem Rückzug