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Mensch, gehn mir die Konträren auf die Nerven!

Man soll nicht emotional werden, immer schön sachlich und ruhig argumentieren. Einverstanden. Trotzdem – einmal, so hat Peter Michael Lingens einst im profil geschrieben, einmal hat selbst der Chefredakteur das Recht, ins Blatt zu kotzen. Da ich weder Chefredakteur bin noch für eine Zeitschrift wie’s profil schreibe, wird’s hier nicht ganz so schlimm werden. Aber immerhin –

Ich bin gewiss kein Facebook-Junkie, aber einmal am Tag schau’ ich doch hinein, um zu sehen, was es Neues gibt. Vor allem interessiert mich, was Bekannte, Verwandte, Freunde etc. gepostet haben; und da wiederum besonders ihre Bilder von Wanderungen, Reisen, sonstigen Unternehmungen. Ziemlich unschuldig, also.

Leider gibt’s unter diesen Bekannten, Verwandten, Freunden etc. auch einige wenige, die sich dem Konträren verschrieben haben. Von denen bekomm’ ich jeden Tag mindestens einen Link zu einer Seite, die jetzt endlich die Wahrheit ans Licht bringt, die Fakten; oder ein Video mit derselben Mission.

An sich wär’ das nicht schlimm. Es kann (und soll) jeder seine Meinung sagen. Zu teilen brauch’ ich sie ja nicht, ebenso wenig wie sie die meine. Aber so kommen diese Konträren ja nicht daher. Die knallen mir ihre Funde ins Gesicht, im Ton unerschütterlicher Gewissheit: Da sind endlich die Tatsachen, die Wahrheit, wir kennen sie, du kennst sie nicht und die dumpfe Masse ebenso wenig. Wir (die Konträren) – und nur wir! – besitzen die Einsicht, durchschauen die bösen Ränke. Am schlimmsten wird’s, wenn sie uns leicht süffisant von oben herab fühlen lassen, wie naiv und autoritätsgläubig alle andern doch sind.

Letzthin bekam ich von einem Bekannten auf Facebook ein Video zugespielt, mit dem enthusiastischen Kommentar: Endlich die Fakten! Manchmal, nur manchmal gebe ich einer Schwäche nach und schau mir das an. In diesem Falle begann der Video-Mann – das Licht der Welt, möchte man glauben – seinen Vortrag, indem er sich vorstellte: Inhaber einer Werbeagentur, Journalist.

Wie bitte?

Im zweiten Satz war bereits von einer „neuen Weltordnung“ die Rede. Da wurde ich denn doch stutzig und forschte weiter. Und was, glauben Sie, entdeckten meine leidgeprüften Augen? Rechte Szene, FPÖ, markige Sprüche hart an der Grenze. Früher war da anscheinend auch was mit Wiederbetätigung.

Nun ist schon klar: Dieser Herr könnte durchaus Recht haben. Das hat mit der politischen Einstellung nichts zu tun. Die Frage ist bloß, ob wir ihm das glauben. Meine Wenigkeit bleibt jedenfalls skeptisch, sehr sogar; und das ist kein Vor-Urteil, bitte schön, sondern ein Nach-Urteil, gefällt eingedenk all der Dinge, welche rechts außen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte schon verzapft wurden.

Was mich freilich mehr beschäftigt: Wie konnte mein Bekannter mir dieses Video samt enthusiastischem Kommentar schicken? Hat er nicht nachgeschaut? Kritisch hinterfragt? Gerade darauf ist er doch so stolz! Aber es ist schon seltsam, nicht wahr, wie die Erkenntnisse und die Zahlen von konventionellen Wissenschaftlern als Propaganda oder gar Lüge beiseite gewischt werden, jene von Konträren hingegen felsenfest geglaubt.

Und das, selbst wenn es sich um eher fragwürdige „Experten“ handelt. Einer, der mir als anerkannter Mediziner und Wissenschaftler angepriesen wurde, erwies sich tatsächlich als solcher – bloß brillierte er auf einem ganz bestimmten Gebiet, nämlich der Sportmedizin.

Sport!

Darüber hinaus vertreibt er Anti-Ageing-Mittel, verspricht sogar Unsterblichkeit (nicht gleich, zugegeben, aber doch bald). In seiner Heimat, den USA, hätte man früher wahrscheinlich von snake oil-Medizin gesprochen.

Ein anderer Experte entpuppt sich als Gynäkologe, ein weiterer als Zahnarzt. Na ja, vielleicht könnte letzterer dem Corona-Virus wenigstens die Zähne ziehen?

Es gibt keine Pandemie, las ich jüngst in einem Kommentar: alles nur Hysterie, Panikmache, klarerweise zu finsteren Zwecken. Komisch: Die ganze Welt von Brasilien über die USA, Großbritannien und Europa bis nach Russland ringt mit dem, was die WHO als Pandemie definiert hat – nur unser Kommentator an seinem Bildschirm hier in seiner Wohnung in Innsbruck, der weiß es besser. Besser als die ganze Welt!

Aber wie schon gesagt: Möglich wär’s. Möglich wär’ allerdings so ziemlich alles, theoretisch zumindest. Die Frage muss daher sein: Für wie wahrscheinlich halten wir’s? Darauf  mögen die Leserin, der Leser selbst eine Antwort finden.

Und wie ebenfalls schon gesagt: Jeder, jede kann seine oder ihre Meinung haben und selbige auch sagen. Kein Problem. Bloß verschone man mich bitte mit der Heuchelei, Meinungen so zu präsentieren, als handle es sich um Tatsachen, samt all der zugehörigen Besserwisserei und süffisanten Herablassung.

Das nervt!

Liberale Nasenlöcher

Um eines gleich von Anfang an klarzustellen: Es geht hier nicht um das Corona-Virus, um Pandemie oder auch nicht, es geht auch nicht um Gesetze, Verordnungen oder sonstige Maßnahmen, die in diesem Zusammenhang erlassen beziehungsweise verordnet werden – oder auch nicht. Ich werde mich hüten, in diese Debatte zu waten. Sie ist nämlich nicht nur fruchtlos, sondern inzwischen auch schon ziemlich öde.

Zugegeben: Es wird um die unbeliebte Maske gehen, den Mund-Nasen-Schutz (MNS); doch was der werte Leser oder die geschätzte Leserin von dieser Maske halten – oder auch nicht –, das spielt hier keine Rolle. Dafür oder dagegen, sinnvoll oder sinnlos: völlig belanglos.

Hier geht’s um etwas anderes. Gegen den Mund-Nasen-Schutz wird unter anderem auch mit folgendem Argument protestiert: Die Pflicht, eine Maske zu tragen, schränke die Freiheit des Einzelnen ein, sei somit unvereinbar mit den Prinzipien einer liberalen Demokratie; zusammen mit anderen verordneten Maßnahmen gefährde sie diese sogar.

Und da, bei dem Wörtchen liberal, möchte ich doch Einspruch erheben. So, wie ich den Liberalismus verstehe – mit beschränkter Belesenheit und Auffassungsgabe, zugegeben, besonders im Vergleich zu unseren Konträren –, so wie ich also den Liberalismus verstehe, gibt es eine solche Unvereinbarkeit nicht. Eher im Gegenteil.

Gewiss, das grundlegende Prinzip des Liberalismus besagt, dass niemand legitimerweise gezwungen werden könne, etwas zu tun oder zu unterlassen, nur weil es für ihn besser ist, weil es ihn glücklicher macht, weil es nach der Meinung anderer weise oder gar richtig wäre. So zumindest der Klassiker des Liberalismus, John Stuart Mill (1806–73), in seinem Essay „On Liberty“. Das einzige, was wir in einem solchen Falle tun können, das sei ermahnen, argumentieren, überreden oder vielleicht beschwören. Aber Zwang, womöglich sogar Strafen – nein!

Bloß braucht man nicht lange mit einem Liberalen zu diskutieren, bis der abgedroschene Standard-Satz daherkommt: Meine Freiheit endet da, wo die Rechte des anderen anfangen. Ich will jetzt nicht drauf herumreiten, dass dieser Satz eigentlich sinnlos ist: Denn gerade in städtischen Ballungsräumen leben wir heute so dicht beisammen, dass praktisch jede Freiheit, die ich mir nehme, irgend jemand anderes Rechte verletzt. Weswegen das Prinzip gerne in drastischere Worte gekleidet wird, vorzüglich jene von Oliver Wendell Holmes: „The right to swing my fist ends where the other man’s nose begins“ – das Recht, meine Fäuste zu schwingen, endet dort, wo die Nase des anderen beginnt. In der Praxis ist das zwar auch nicht gerade erhellend, ironischerweise passt es aber gerade auf die Frage der Maskenpflicht haargenau.

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass die Maske vorwiegend dem Schutze anderer dient, nicht unserem eigenen. Zumindest entnehme ich das den weitaus überwiegenden Äußerungen von Wissenschaftlern. (Ich weiß schon, liebe Konträre, ich weiß schon…) Sie soll verhindern, dass wir beim Atmen, Husten oder Niesen Bakterien und Viren in die Welt und somit anderen Menschen ins Gesicht schießen. Wenn dem aber so ist, oder wenn dem bloß so sein könnte, dann geht es eben nicht um das jeweilige Individuum selbst. Es geht um den Schutz anderer, in letzter Konsequenz der Gemeinschaft (schließlich haben wir’s mit einer Seuche zu tun). Und da – hört, hört! – da gelten, immer laut John Stuart Mill, andere Gesetze:

„Um dies“, nämlich Zwang und Strafe, „zu rechtfertigen, muss das Verhalten, von dem man abschrecken will, derart sein, dass es bei einem anderen Schaden hervorruft. Die einzigen Verhaltensweisen, für die das Individuum der Gesellschaft gegenüber verantwortlich ist, sind jene, welche andere berühren.“ Und in so einem Falle ist tatsächlich „die Gesell­schaft“ zuständig. Was meiner bescheidenen Meinung nach letztlich nur heißen kann: der Staat.

Was die notorische Maskenpflicht angeht, sollte die Sachlage somit ausnahmsweise einmal klar sein: Sie schützt andere. Deshalb hat „die Gesellschaft“ (der Staat) das Recht, das Tragen einer Maske anzuordnen und allenfalls Strafen zu verhängen. Von einer Einschränkung der Freiheit, einer Gefahr für den Liberalismus kann keine Rede sein: Denn mein Recht, Bakterien und Viren in die Luft zu niesen, endet an den Nasenlöchern meines Gegenübers. So gesehen, bestünde sogar eine moralische Pflicht, die Maske zu tragen, zumindest dann, wenn man als einigermaßen zivilisiertes, rücksichtsvolles Mitglied unserer Gesellschaft gelten will.

Womit sich natürlich nicht das Geringste ändern wird, nicht im wirklichen Leben. So, wie ich die überwiegende Mehrheit der Maskenmuffel einschätze, werden sie diese (oder ähnliche) Zeilen gar nicht lesen, und wenn, dann sind sie an solchen Überlegungen nicht im Geringsten interessiert. Aber wenigstens – so wünscht man sich als geplagter Leser – aber wenigstens in unseren Reihen, im Kommentariat könnten wir aufhören, so unbedacht von Freiheit und von liberal zu reden.

Die Zitate stammen aus dem Essay „On Liberty“ von John Stuart Mill, hier zit. nach der Ausgabe der Oxford Univerity Press (Óxford, 1998). Die Über-setzung stammt von mir selbst unter Zuhilfenahme von DeepL Über­setzer.

Die Duesberg-Geschichte

Leser und Leserinnen meiner Altersgruppe werden sich erinnern – Mitte der achtziger Jahre sahen wir uns wie aus heiterem Himmel mit einer Pandemie konfrontiert: AIDS. Eine unheimliche, furchterregende Krankheit; denn nicht nur wusste man damals sehr wenig, es war auch nicht abzuschätzen, wie schnell und wie weit sie sich ausbreiten würde. Damit nicht genug, zielte sie auf ein Kernstück unserer damaligen Kultur: Seit den sechziger Jahren hatte ein gewisser Umgang mit Sex zu unserem Selbstverständnis gehört, zu unseren Selbstverständlichkeiten; und dieser Umgang war – na ja, nicht gerade freizügig (die meisten von uns feierten ja keine Orgien), sehr wohl aber unbekümmert. Und damit sollte es jetzt vorbei sein? Wie lange? Auf immer?

In dieser beklemmenden Stimmung erhob sich eine tröstende Stimme: Alles nicht wahr! Sie stammte von Peter Duesberg, geboren 1936, Professor für molekulare und Zellbiologie an der Universität von Kalifornien in Berkeley, und aufgrund seiner Krebsforschung bereits hoch geschätzter Wissenschaftler. Nun vertrat er die These, dass AIDS gar nicht durch das Humane Immundefizienz-Virus HIV übertragen werde, vielmehr eine Folge von Drogenkonsum, analem Geschlechtsverkehr und anderen Verhaltensweisen sei. Die herrschende Auffassung, so behauptete er, diene bloß der Panikmache, von der in weiterer Folge die Pharmaindustrie zu profitieren hoffe. Deren Medikamente seien völlig wertlos, ja sie könnten sogar selbst AIDS verursachen.

Sehr viele Wissenschaftler folgten ihm nicht – wobei gesagt werden muss, dass seine Behauptungen sehr wohl wahrgenommen wurden, getestet und überprüft. Es gab auch prominente Kollegen, die ihm keineswegs zustimmten, trotzdem für sein Recht eintraten, wenigstens gehört zu werden. Zugleich formte sich allerdings auch so was wie eine Bewegung. So breit wie spätere sollte sie allerdings nicht werden, schließlich gab’s damals noch keine Soziale Medien.

Immerhin gelangte Kenntnis von dieser konträren Bewegung bis in unsere Gefilde. Irgendwann – an Jahr und Datum kann ich mich leider nicht erinnern – irgendwann also brachte die Gegenwart in Innsbruck die deutsche Übersetzung eines Aufsatzes; ich weiß nicht mehr, ob von Duesberg selbst oder über ihn. Die Argumentation klang durchaus logisch. Trotzdem hätte ich ihr damals noch keine übermäßige Bedeutung beigemessen. Das kam erst, als sich auch die Sunday Times in London auf seine Seite zu stellen schien. Da fühlte ich mich ermutigt, eine meiner wöchentlichen Glossen dem Thema zu widmen. Ich blieb vorsichtig, dass muss ich mir selbst lassen, trotzdem konnte kaum Zweifel bestehen, dass ich im Grunde an die konträre Hypothese glaubte. War ja auch ein Geschenk für jeden Kolumnisten!

Wie’s weiterging, wird man sich vielleicht erinnern: AIDS breitete sich nicht so rasend aus wie vorhergesagt. Das lag allerdings auch daran, dass sich die Menschen schützten. Und dazu wurden sie, besonders in Großbritannien, mittels aufwändiger und ziemlich drastischer Informationskampagnen der Regierung angehalten. In einem Land, nämlich Südafrika, folgte die Regierung der Duesberg-Hypothese. Das Resultat war katastrophal.

Mit der Zeit kamen Medikamente auf den Markt, welche AIDS zwar nicht verhinderten oder heilten, die Wirkung der Krankheit jedoch so eindämmten, dass die Opfer wesentlich länger und besser lebten. All das war aber nur möglich, weil Politik und Medizin den Annahmen der konventionellen Wissenschaft bezüglich HIV folgten. Diese Wissenschaftler warnten schon damals, dass es sehr, sehr lange dauern würde, bis ein heilendes Medikament oder gar ein Impfstoff gefunden würden. Auch das hat sich bewahrheitet.

Von Duesberg hat man nichts mehr gehört. Ich nehme an, es gibt noch immer eine verschworene Gemeinschaft seiner Anhänger, aber wissen tu ich’s nicht. Immerhin scheint ihn die Affäre nicht um seine Existenz gebracht zu haben. Meinen Informationen zufolge behielt er seine Professur in Berkeley. Inzwischen muss er schon emeritiert sein.

Was mich betraf – nun, ich lernte. Ich hab’ mich nie wieder derart vorlaut zu naturwissenschaftlichen und medizinischen Fragen geäußert. Dem Ewig Konträren gegenüber bin ich höchst misstrauisch geworden. Und noch eine wertvolle Erfahrung hab’ ich von damals mitgenommen: Ich durfte am eigenen Leib erleben, wie erhebend es sich doch anfühlt, wenn man sich zu einer ausgewählten Gruppe von Menschen mit überlegenem Wissen zählt.

Schlusspunkt

Ich habe bemerkt, dass Blogs manchmal einfach versanden, so als sei dem Autor das Interesse ausgegangen, oder die Energie. Da stößt man dann auf irgendeinen alltäglichen Eintrag aus anno Schnee – und dann kommt nichts mehr. Diesen nachlässigen Eindruck möchte ich vermeiden.

Deshalb also dieser Schlusspunkt:

Leider muss ich meine Beiträge  Aus der Stille einstellen. Vorläufig oder endgültig? – Wer weiß das schon.

Viel gelesen wurden sie nicht, das ist mir schon klar. Doch hat’s Leute gegeben, die mich darauf angesprochen oder die mir geschrieben haben, und ihre Reaktion war zumeist freundlich. Das freut mich bis heute.

Der Wolf, der Wolf

Eben zurück aus England, erzählt mir jemand, in den Telfer Wiesen sei ein Wolf gesichtet worden. Kurze Nachforschung bestätigt das.

Wolf in den Telfer Wiesen, Aufnahme einer Wildkamera 29./30. Oktober 2017 (Land Tirol)

Zu meiner Überraschung scheinen die Reaktionen überwiegend positiv zu sein. Irgendwie ist das toll, wenn’s bei uns wieder Großraubtiere gibt: Wölfe, Bären, Luchse.

Wie üblich, kommt von den Wildtier-Romantikern Beschwichtigung: keine Gefahr für den Menschen. Schön, wir wissen’s jetzt. Aber weiß es der Wolf?

Für Schafe, heißt’s weiter, bestehe keine Gefahr. Einerseits, weil sie zu dieser Jahreszeit ohnehin im Stall seien. Okay – aber was ist nächstes Frühjahr?

Andererseits, weil Wölfe lieber Wild jagen. – Kannst dir vorstellen, ja. Im Frühjahr hat so ein Wolf jedenfalls definitiv Schafe gerissen im Stubaital, das wurde wissenschaftlich einwandfrei festgestellt. Hat halt weder die TT  noch das Bezirksblatt gelesen.

Damals, im Frühjahr, wurden die Landwirte aufgefordert, Schafe und Rinder über Nacht im Stall zu halten. Weiß eigentlich jemand, was das bedeutet? Mehrarbeit, Mehrkosten? Von den gerissenen Schafen einmal ganz abgesehen? Und in Zukunft, wenn immer mehr von dem Zeugs zu uns kommt: Hüterhunde, Zäune? Wer zahlt das?

Was mir immer noch fehlt, ist dies: Ein Argument, ein einziges nur, warum Wolf, Fuchs oder Bär bei uns notwendig sind. Wo liegt der Nutzen – cui bono?

Wenn Wildtier-Romantiker solche Raubtiere haben möchten, schlage ich Folgendes vor: Sie übernehmen die Patenschaft über jedes große Raubtier, das bei uns auftaucht. Was bedeutet: Sie haben für sämtliche Kosten geradezustehen, nicht bloß die direkten Schäden, sondern auch Mehrarbeit der Landwirte, Schutzmaßnahmen, Investitionen.

Wo kein Pate, da kein Wildtier. Abschuss.

"Video beweist: Wolf im Stubaital unterwegs", Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe 06.11.2017 

"Schafe im Stubai wurden von Wolf gerissen", meinbezirk.at 10.05.2017

Crispr

Gestern eine deprimierende Dokumentation über Crispr gesehen (Clustered Regularly Interspersed Palindromic Repeats) bzw. über Cas9 (Crispr associated protein 9). Wenn ich das richtig verstanden habe, dann handelt es sich dabei um eine Art „Schere“, mit der gezielt Bausteine aus der DNA herausgeschnitten werden können. Ebenso können neue Bausteine eingefügt werden. Die Technik soll nicht bloß genau, sondern auch einfach funktionieren – und somit billig.

So weit, so gut – durchaus im öffentlichen Interesse, möchte man annehmen, sofern man an neue Wege bei der Bekämpfung von Krankheiten denkt. Laut besagter Dokumentation soll in den USA aber bereits die kommerzielle Anwendung begonnen haben – eine garage industry sei im Entstehen begriffen, so wie einst im Silicon Valley.

Und das eröffnet angsterregende Aussichten: Wohin hat denn der einst so gepriesene Pionier- und Unternehmergeist in Kalifornien geführt? Microsoft, Google, Facebook, Amazon. Marktbeherrschende Giganten, beuten ihre Angestellten aus mit bösen Arbeitsbedingungen, pressen uns Geld ab mit dem Innovationsschmäh (Microsoft), haben eine Macht errungen, welche bereits gefährlich geworden ist für unsere Privatsphäre, für die Rechtsordnung, für die Sicherheit.

Dabei geht’s da „nur“ um Daten, um Information.

Bei Crispr geht’s zunächst einmal um die Gesundheit. Werden wir gezwungen sein, Unsummen an irgendeinen Gen-Monopolisten zu brennen, an einen Bio-Bill Gates, einen Gen-Steven Jobs oder einen Pharma-Mark Zuckerberg, nur um auf einem zeitgemäßen Stand der Technik behandelt zu werden?

Denn es geht ja auch ums Leben – ums menschliche Leben. Um den Menschen schlechthin. Und das wollen wir jetzt irgendwelchen „tüchtigen“ Unternehmertypen anvertrauen?

Echt?