Alle Beiträge von H. W. Valerian

Reichenhetze

Wie wir hören, ist ein gewisser Travis Kalanick diese Woche in den Kreis der Milliardäre aufgenommen worden (BBC News 19 January 2018).

Sie kennen den Herrn nicht? Ging mir genau so, bis ich den zitierten Artikel las. Daher weiß ich nun: Es handelt sich um den Mitbegründer des weltweit umstrittenen Taxi-Unternehmens Uber.

Sie mögen davon sowie vom Herrn Kalanick halten, was Sie wollen. Aber eine Milliarde? Kann man wirklich und allen Ernstes behaupten, er habe das „verdient“? Auch nur im entferntesten?

Zur Erinnerung: eine Milliarde, das sind tausend Millionen. Tausend!

Wenn man ihm, wie mir das angebracht erschiene, neunzig Prozent davon wegsteuert, für die öffentliche Hand (also für uns alle), dann blieben ihm immer noch hundert Millionen.

Auch nicht gerade arm, oder?

Aber halt, aber halt!

Unser Herr Bundeskanzler hat sich ebenfalls diese Woche darüber beschwert, dass bei uns auch über Leute gehetzt worden sei, die reich sind (derStandard.at 17. Jänner 2018).

Ach, die Armen! Jetzt müssens reich sein, und dann noch das, und wehren können sie sich bekanntlich auch nicht.

Wie wär’s, wenns halt ganz einfach – siehe oben?

Der Wolf, der Wolf

Eben zurück aus England, erzählt mir jemand, in den Telfer Wiesen sei ein Wolf gesichtet worden. Kurze Nachforschung bestätigt das.

Wolf in den Telfer Wiesen, Aufnahme einer Wildkamera 29./30. Oktober 2017 (Land Tirol)

Zu meiner Überraschung scheinen die Reaktionen überwiegend positiv zu sein. Irgendwie ist das toll, wenn’s bei uns wieder Großraubtiere gibt: Wölfe, Bären, Luchse.

Wie üblich, kommt von den Wildtier-Romantikern Beschwichtigung: keine Gefahr für den Menschen. Schön, wir wissen’s jetzt. Aber weiß es der Wolf?

Für Schafe, heißt’s weiter, bestehe keine Gefahr. Einerseits, weil sie zu dieser Jahreszeit ohnehin im Stall seien. Okay – aber was ist nächstes Frühjahr?

Andererseits, weil Wölfe lieber Wild jagen. – Kannst dir vorstellen, ja. Im Frühjahr hat so ein Wolf jedenfalls definitiv Schafe gerissen im Stubaital, das wurde wissenschaftlich einwandfrei festgestellt. Hat halt weder die TT  noch das Bezirksblatt gelesen.

Damals, im Frühjahr, wurden die Landwirte aufgefordert, Schafe und Rinder über Nacht im Stall zu halten. Weiß eigentlich jemand, was das bedeutet? Mehrarbeit, Mehrkosten? Von den gerissenen Schafen einmal ganz abgesehen? Und in Zukunft, wenn immer mehr von dem Zeugs zu uns kommt: Hüterhunde, Zäune? Wer zahlt das?

Was mir immer noch fehlt, ist dies: Ein Argument, ein einziges nur, warum Wolf, Fuchs oder Bär bei uns notwendig sind. Wo liegt der Nutzen – cui bono?

Wenn Wildtier-Romantiker solche Raubtiere haben möchten, schlage ich Folgendes vor: Sie übernehmen die Patenschaft über jedes große Raubtier, das bei uns auftaucht. Was bedeutet: Sie haben für sämtliche Kosten geradezustehen, nicht bloß die direkten Schäden, sondern auch Mehrarbeit der Landwirte, Schutzmaßnahmen, Investitionen.

Wo kein Pate, da kein Wildtier. Abschuss.

"Video beweist: Wolf im Stubaital unterwegs", Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe 06.11.2017 

"Schafe im Stubai wurden von Wolf gerissen", meinbezirk.at 10.05.2017

Anmerkungen zum Brexit

Während ich mich diesen Herbst in London aufhielt, amüsierten uns die täglich wechselnden und einander widersprechenden Meinungsäußerungen britischer Regierungsmitglieder zum so genannten Brexit. Das ging so weit, dass an einem Tag bekräftigt wurde, das Vereinigte Königreich werde nicht bloß den Gemeinsamen Markt, sondern ebenso die Zollunion verlassen, während am nächsten Tag eine „harte Grenze“ zwischen Nordirland und der Republik Irland definitiv nicht in Frage kam. Wie das funktionieren soll, das erklärte niemand.

Einer Umfrage zufolge sollen vor einem Jahr – also ehe das Austritts­verfahren gemäß dem berüchtigten Artikel 50 ausgelöst worden war – mehr als 60 Prozent der Briten ihrer Premierministerin Theresa May eine gute Verhandlungsführung bescheinigt haben; nun waren’s nur noch knapp über dreißig Prozent. Doch hatte sie – meinem persönlichen Eindruck nach – zuvor genau so gut oder so schlecht agiert wie jetzt. Das Problem, welches die Briten mit ihrem Brexit haben, liegt woanders.

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Crispr

Gestern eine deprimierende Dokumentation über Crispr gesehen (Clustered Regularly Interspersed Palindromic Repeats) bzw. über Cas9 (Crispr associated protein 9). Wenn ich das richtig verstanden habe, dann handelt es sich dabei um eine Art „Schere“, mit der gezielt Bausteine aus der DNA herausgeschnitten werden können. Ebenso können neue Bausteine eingefügt werden. Die Technik soll nicht bloß genau, sondern auch einfach funktionieren – und somit billig.

So weit, so gut – durchaus im öffentlichen Interesse, möchte man annehmen, sofern man an neue Wege bei der Bekämpfung von Krankheiten denkt. Laut besagter Dokumentation soll in den USA aber bereits die kommerzielle Anwendung begonnen haben – eine garage industry sei im Entstehen begriffen, so wie einst im Silicon Valley.

Und das eröffnet angsterregende Aussichten: Wohin hat denn der einst so gepriesene Pionier- und Unternehmergeist in Kalifornien geführt? Microsoft, Google, Facebook, Amazon. Marktbeherrschende Giganten, beuten ihre Angestellten aus mit bösen Arbeitsbedingungen, pressen uns Geld ab mit dem Innovationsschmäh (Microsoft), haben eine Macht errungen, welche bereits gefährlich geworden ist für unsere Privatsphäre, für die Rechtsordnung, für die Sicherheit.

Dabei geht’s da „nur“ um Daten, um Information.

Bei Crispr geht’s zunächst einmal um die Gesundheit. Werden wir gezwungen sein, Unsummen an irgendeinen Gen-Monopolisten zu brennen, an einen Bio-Bill Gates, einen Gen-Steven Jobs oder einen Pharma-Mark Zuckerberg, nur um auf einem zeitgemäßen Stand der Technik behandelt zu werden?

Denn es geht ja auch ums Leben – ums menschliche Leben. Um den Menschen schlechthin. Und das wollen wir jetzt irgendwelchen „tüchtigen“ Unternehmertypen anvertrauen?

Echt?

Taxpayers

It may have been David Davis, the British Brexit secretary, or it may have been Liam Fox, Secretary of State for International Trade, or it may have been Philip Hammond, Chancellor of the Exchequer – I’m not sure, and it does not matter very much. One of them said recently, referring to the so-called ‘divorce bill’, i.e. the amount of money the EU expects the United Kingdom to pay on leaving the Union: This is taxpayers’ money. I’m responsible to them.

True enough.

Unfortunately, the good man seems to have forgotten the sauce for the gander. The ‘divorce bill’ also involves the money of continental taxpayers (I happen to be one of them). I don’t know about their respective numbers in the UK and the EU, but we do have an idea of the respective populations: about 66 million in the UK; about 446 million in the EU after Brexit. It follows that for every UK taxpayer, there must be between 6 and 7 Europeans.

Not such a good idea to bring up the topic after all, maybe?

Der Teufel steckt im Referendum

Am 23. Juni 2016 wurden die britischen und nordirischen Wähler im Zuge eines Referendums befragt, ob das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union bleiben solle oder nicht. Bei einer Wahlbeteiligung von über 72% stimmten 17,41 Millionen für den Austritt, also knapp 52%, 16,41 Millionen dagegen – etwas mehr als 48%.

Es dauerte mehr als ein halbes Jahr, bis der erste konkrete Schritt getan werden konnte: Am 31. Jänner 2017 debattierte das House of Commons darüber, ob die Regierung das Verfahren gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union offiziell einleiten sollte. Für die beiden großen Parteien, Conservatives und Labour, war das nur eine Formsache: das Volk hatte entschieden.

Es gab einen einzigen Tory, der sich nicht dem Diktat beugte: Kenneth Clarke, ein altgedienter Haudegen, der in seiner Laufbahn auch hohe Regierungsämter bekleidet hatte. Von Anfang an hatte er gegen den Austritt gekämpft und in der Rede im Unterhaus fasste er seine Argumente noch einmal anschaulich, durchaus auch bissig zusammen.

Darum soll’s hier aber nicht gehen. Am Anfang legte Kenneth Clarke nämlich dar, warum er es auch jetzt noch wagte, gegen den Austritt zu stimmen.

„Ich habe im Laufe der letzten fünfzig Jahre weiß Gott wie viele Wahlkämpfe gefochten“, begann er, „und ich bin immer dafür eingetreten, für die Konservativen zu stimmen. Aber gelegentlich hat es die britische Wählerschaft in ihrer Weisheit unterlassen, meinem Rat zu folgen. Sie hat mehrheitlich für die Labour Party gestimmt und so stand ich hier einer Labour-Regierung gegenüber. Aber ich kann mich an keine einzige Gelegenheit erinnern, bei der man mir gesagt hätte, es sei nun meine demokratische Pflicht, die Labour-Politik zu unterstützen…“

Er legte den Finger auf eine Wunde, die zuvor niemand wahrhaben wollte. Was wir unter Demokratie verstehen – sagen wir: seit 1945 – ist eben nicht das unumstößliche Diktat der Zahlen und der Prozente, die Tyrannei der Mehrheit. Wäre dem so, bräuchten wir kein Parlament. Indem dort die Wähler mehr oder weniger repräsentativ vertreten sind (in Großbritannien eher weniger, wie hier eingeräumt werden muss), haben alle eine Stimme, selbst jene, die „unterlegen“ sind, also keine Regierungspartei gewählt haben. Und sie haben die Möglichkeit, für eine Änderung des jeweils letzten Ergebnisses zu kämpfen – bei den nächsten Wahlen.

Nichts davon trifft offenbar auf ein Referendum zu. Weswegen es, streng genommen, unvereinbar ist mit dem was wir – sagen wir: seit 1945 – unter Demokratie verstehen.

Trotzdem kann die direkte Demokratie heute kaum noch aufgehalten werden. So ist halt der Zeitgeist. Aber wie könnte sie vielleicht doch ein bisschen besser eingepasst werden in unsere bestehende Verfassung?

Eine Möglichkeit fällt mir spontan ein: Wenn das Ergebnis eines Referendums wirklich derart endgültig sein soll, dann wäre es wohl nur billig, eine qualifizierte Mehrheit zu verlangen – wie auch immer die aussehen mag. Zwei Drittel bräuchten es ja nicht gleich zu sein. Das böte immerhin einen gewissen Minderheitenschutz und somit demokratischen Spielraum.

Auf jeden Fall sollten wir, sobald die Sirenentöne von mehr direkter Demokratie, von der Basisdemokratie erklingen, öfter an jenes Dilemma denken, welches sich hier offenbart hat. Da sind auch gehörige Fallgruben verborgen – der Teufel steckt im Referendum.

„I have fought Lord knows how many elections over the last fifty years and I have always advocated voting Conservative. But the British public in their wisdom have occasionally failed to take my advice. They have actually by a majority voted Labour and I have found myself facing here a Labour government. I do not recall an occasion when I’ve been told that it was now my democratic duty to support Labour policies [...].“

 

Wenn Pädagogen denken

„Finnlands Schüler sollen fit für den modernen Alltag gemacht werden“, erfahren wir neuerdings (news orf.at 30.05.2017):

Phänomen-basiertes Lernen (PBL) heißt die Lehrmethode, die heuer erstmals landesweit angewandt wird und klassische Unterrichtsfächer irgendwann obsolet machen soll.

Nun ist Finnland bekanntlich so etwas wie das Gelobte Land der Pädagogen, seit es in PISA-Studien regelmäßig exzellent abschneidet. Mit entsprechender Ehrfurcht betrachtet man die Entwicklung seines Schulsystems.

Doch bei aller Hochachtung – es kann nicht entgehen, dass schon die ersten beiden Sätze des zitierten Artikels zwei äußerst gewagte Behauptungen enthalten. Nämlich:

erstens, dass Schüler bisher nicht für den Alltag fit waren, und

zweitens, dass die neue Lehrmethode diesem unterstellten Übel ein- für allemal abhelfen werde.

Erstens wird durch den Augenschein widerlegt. Sowohl in Finnland als auch bei uns sind die allermeisten Menschen durchaus „fit“ für den Alltag.

Bei Zweitens handelt es sich um eine Prognose. Solche kann man natürlich anstellen, keine Frage, seriöser Weise aber nur aufgrund gesicherter Daten – und selbst dann bleibt noch ein kleinerer oder größerer Rest von Unsicherheit übrig. Siehe Wettervorhersage.

Leider bleibt der Artikel solche Daten schuldig. Dafür malt er idyllische Bilder aus dem zu erwartenden Schulalltag:

Wenn Kyllönen mit ihren Kolleginnen und Kollegen Maßnahmen […] plant, macht sie es sich selbst möglichst gemütlich […]. Und ähnlich angenehm und fröhlich soll auch die Lernerfahrung in der Klasse sein.

Weiter kann man sich kaum noch entfernen vom modernen Arbeitsleben, von der Wirklichkeit, die uns umgibt. Unwillkürlich fragt man sich, wie solche Pädagogen unsere Kinder „fit für den Alltag“ machen sollen.

Aber darum soll’s hier nicht gehen. Was mittels PBL vor allem geschult werden soll, so belehrt man uns, das sei die „direkte Beobachtungsgabe“:

Denn wer lernt, genau hinzuschauen, so hofft man in Finnland, fällt später nicht so leicht auf „Fake News“ herein.

Was man ja durchaus akzeptieren könnte – wäre da nicht gleich der nächste Absatz unseres Artikels:

Es wäre ein grober Fehler, den Kindern zu vermitteln, dass es weiterhin „Fakten gebe“, die man nur auswendig zu lernen brauche. Lernen bedeute vielmehr „Denken zu lernen“, sich das Nachfragen anzugewöhnen […].

Als „Fake News“ bezeichnen wir Nachrichten, welche Fakten missachten. Um sie zu widerlegen, braucht’s – ja, was wohl? Richtig: Fakten. Um „Fake News“ überhaupt zu erkennen, braucht’s zunächst einmal Wissen. Mit „Denken“ allein kann man da gar nichts ausrichten, im Gegenteil: Faktenfreies Denken, das ist doch genau das, was die „Fake News“-Produzenten selbst betreiben, oder?

Denken ohne Fakten, ohne Wissen gibt’s überhaupt nicht. Deswegen kann man auch nicht einfach „Denken lernen“, ebenso wenig wie man einfach „Violine spielen“ lernen kann, ohne Noten, ohne Melodien, ohne Üben. Pädagogischen Nihilismus nennt der Philosoph Konrad Paul Liessmann solch irregeleiteten Vorstellungen.

Was natürlich nichts an ihrer Popularität ändert. In der Pädagogik scheint so was möglich zu sein. Vielleicht wären ein paar Fakten halt doch nicht ganz so unnütz? Und vielleicht auch ein bisschen widerspruchsloses Argumentieren?

„Selbst beobachten statt ‛Fake News’ vertrauen“, news orf.at 30.05.2017.

Konrad Paul Liessmann, Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft (München: Piper, 2008), S. 36.

Chuck Berry

Chuck Berry 1957.jpg
Chuck Berry 1957 (Universal Attractions, from: Wikimedia)

Oh dear – another one. Just read the news that Chuck Berry has died, aged 90.

What a great artist! Troubled history, true, but his music! He made Rhythm & Blues popular, didn’t he? The father of Rock’n’Roll.

And, of course, of the duck walk!

How many of his songs have become all-time greats? You don’t have to think hard: Roll Over Beethoven; Rock and Roll Music; Johnny B. Goode; Sweet Little Sixteen; Maybellene; Carol; Little Queenie; Mephis, Tennessee; School Days… You name them.

My favourite’s always been You Never Can Tell. If you can sit still through this song, you’re dead.

I once heard it performed live by Bill Wyman and the combo he had put togther after leaving the Rolling Stones. And this reminds us – what would the Stones have been without Chuck Berry? And the Beatles?

Gestern Abend im Kellertheater…

… stand Thomas Bernhards Am Ziel auf dem Spielplan. Zu meiner Überraschung erschien auch eine Gruppe junger Männer. Einer von ihnen sprach mich an: ein ehemaliger Fachschüler, ich hatte ihn selbst noch unterrichtet. Nun war er Abendschüler an einer Höheren Technischen Lehranstalt, stand knapp vor dem ersten Teil der Reifeprüfung, welcher Deutsch, Englisch und Mathematik umfassen sollte.

Wie kommt’s denn ihr hierher?

Die Deutsch-Professorin…

In der Pause ging ich hinaus Luft schnappen, die jungen Männer rauchten. Sie waren ratlos. Ich fühlte mich bemüßigt, ein wenig zu trösten, vielleicht auch aufzuklären.

Wenn ihr das nicht versteht, sagte ich, dann machts euch nichts draus. Niemand versteht das. Das ist der Witz der Sache: da gibt’s nichts zu verstehen.

Wenn ihr euch langweilt – das tun alle in dem Theater. Das Stück ist langweilig. Erstens, weil’s um 30 oder 40 Prozent zu lang ist. Das sind alle Bernhard-Stücke. Eigentlich sind das Einakter, man müsste sie zusammenstreichen. Bloß wären sie dann nicht mehr abendfüllend. Man müsste zwei davon bringen. Aber das geht auch nicht, weil alle seine Stücke gleich langweilig sind.

Und warum? Weil Thomas Bernhard das so will. Zweitens. Thomas Bernhard ist der Dichter der Langeweile. In doppeltem Sinne.

Aber – sagte ich – ihr müsst euch noch was klarmachen: Was da auf der Bühne geschieht, diese ewige Maulerei, alles schäbig, alles sinnlos – das hat nichts mit euch zu tun. Mit eurem Leben. Eurer Arbeit. Da stellt ein snobistischer Oberschichts-Schreiber snobistische Oberschichts-Figuren auf die Bühne, für ein snobistisches Oberschichts-Publikum: Salzburger Festspiele und so. Natürlich erkennen die sich wieder in diesen langweiligen Stücken. Aber langweilen tun sie sich trotzdem. Eine einzige Oberschichts-Wichserei.

Und warum sind Sie dann hier, fragte der ehemalige Schüler.

Na ja, ich wollte Eleonore Bürcher sehen. Das ist eine exzellente Schauspielerin, ich kenne sie schon seit zwanzig, fünfundzwanzig Jahren, nicht persönlich, bloß von der Bühne, und heute brilliert sie ja so richtig. Ohne sie wär’ das Stück noch viel langweiliger. Und außerdem – man kann nur schimpfen, wenn man gesehen oder gelesen hat, oder? Das verlangt meine Professionalität.

Aber sagts das nicht eurer Frau Professor, fügte ich hinzu. Die wird vielleicht nicht einverstanden sein.

Allerdings, nickten die jungen Männer.