Eine Frage der Wahrnehmung

Ali Smith, Autumn

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Die Geschichte einer eigenartigen Beziehung: das aufgeweckte kleine Mädchen und der etwas mysteriöse ältere Mann, die sich gegenseitig erzählen: Geschichten, Erlebnisse. Obwohl’s ihrer Mutter nicht passt. Oder vielleicht eben deshalb? Jedenfalls hat diese Art von Beziehung Dauer. Der Roman handelt von einer  Zeit, da der Mann im Spital liegt, bereit zum Sterben, während das Mädchen eine erwachsene Frau geworden ist und ihn regelmäßig besucht. Erzählt wird das mittels zahlreicher Rückblenden; erst zum Schluss ist das Puzzle komplett und der Leser kennt sich einigermaßen aus. Neu ist diese Technik natürlich nicht. Ich kenn’ einen Schriftsteller, der hat seinerzeit das Manuskript seines ersten Romans, ehe er ihn einreichte, mit der Schere zerschnitten und dann neu zusammengeklebt. Der Schmäh half, wie ich mich erinnern kann. Stilistisch tänzelt Ali Smith leichtfüßig durch die Sequenzen, immer fröhlich, immer munter, vor lauter Leichtigkeit scheint der Inhalt zu entschweben.

Autumn ist der erste von vier Jahreszeiten-Romanen, die alle eine Jahreszeit als Titel tragen. Der nächste heißt dementsprechend Winter. Und so weiter. Ali Smith hat eine ganze Reihe von Romanen verfasst, außerdem Kurzgeschichten sowie non-fiction. Irgendjemand hat sie einmal als die schottische Nobelpreisträgerin in spe bezeichnet.

Empfehlenswert? – Ich weiß nicht. Ali Smith ist eine hoch angesehene Autorin, CBE (Commander of the Most Excellent Order of the British Empire) and FRSL (Fellow of the Royal Society of Literature) – was täten wir bloß ohne diese Paraphernalien britischer Selbstdarstellung? Auf jeden Fall werde ich mich mit meinen kategorischen, allzu kategorischen Urteilen zurückhalten. Alles nur eine Frage der Wahrnehmung, des Geschmacks.

Ali Smith, Autumn (London: Penguin Books, 2017). First publ. 2016.
Ali Smith, Autumn

The story of a strange relationship: the bright little girl and the somewhat mysterious elderly man who tell each other stories and experiences. Even though her mother doesn’t like it. Or maybe that’s why? In any case, this kind of relationship lasts. The novel is set at a time when the man is in hospital, ready to die, while the girl has become an adult woman and visits him regularly. This is narrated in numerous flashbacks; only at the end is the puzzle complete and the reader knows his way around the story. The technique is not new, of course. I know a writer who took a pair of scissors and cut up the manuscript of his first novel and then glued it together again before submitting it. The chutzpah worked, if I remember correctly. Stylistically, Ali Smith prances nimbly through the chapters, always cheerful, always light-hearted; the contents seem to float away into thin air.

Autumn is the first of four novels all of which have a season as their title. The next one is Winter. And so on. Ali Smith has written a number of novels as well as short stories and some non-fiction. Someone once described her as the Scottish Nobel Prize winner in waiting.

Recommended? – I don’t know. Ali Smith is a highly respected author, CBE and FRSL  – what would we do without these paraphernalia of British identity? In any case, I will hold back on my categorical, all-too-categorical judgements. It’s all in the eye of the beholder, as we all know.

Ali Smith, Autumn (London: Penguin Books, 2017). First publ. 2016.

Wildschwein gegen Wolf

Was lese ich da? Schlagzeile im Standard:

WOLF IM MÜHLVIERTEL WURDE WOMÖGLICH VON WILD-SCHWEIN TOTGEBISSEN

Wenigstens verwendet der Standard keine Rufezeichen, wie sie unsere Krone so schrecklich liebt. Trotzdem stutze ich: Ist so was möglich? Hab’ ich gar nicht gewusst. Und im nächsten Augenblick fiel mir ein anderer toter Wolf ein, nämlich der da:

© ASFINAG

Der liegt nämlich auf der Brennerautobahn. Angefahren von einem Autofahrer. Offenbar war da auch so ein Wildschwein unterwegs. Und solcher gibt’s auf unseren Straßen nun wahrlich genug, wie wir alle aus leidvoller Erfahrung wissen.

Also – wenn Wildschweine Wölfe töten können, und wenn’s bei uns ersterer genug und letzterer zu viele gibt – böte sich da nicht eine völlig neue Strategie an?

Vergangenheit

Ist Ihnen, werter Leser, werte Leserin, ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie sehr sich die Bedeutung des Wortes Vergangenheit in unserem öffentlichen Diskurs verengt hat? Wenn jemand von der Vergangenheit spricht, dann denken wir sofort an die Zeit von 1938 bis 1945. Das ist die Vergangenheit, die nicht weiter verdrängt werden dürfe, heißt’s dann, die wir aufarbeiten müssten, die zu bewältigen wäre.

Ohne diesen Forderungen entgegen zu treten, möchte ich doch anmerken: Eine derartige Fixierung, eine derartige Verengung kann à la longue dem Anliegen nicht dienen. Unsere Geschichte geht weiter zurück als bloß bis zum Jahre 1938, vor allem aber sind seit 1945 mehr als 75 Jahre vergangen – mehr als drei Viertel eines Jahrhunderts! Die müssen doch sicherlich auch zu unserer Vergangenheit zählen? Und wenn uns das moralische Versagen jener sieben Jahre vorgehalten wird, so müssten doch auch unsere Leistungen, unsere Verdienste aus der langen Zeit danach berücksichtigt werden?

Wohlgemerkt: Ich möchte nicht zu jenen gezählt werden, für die’s irgendwann einmal genug sein müsse, die also, kurz gesagt, die Zeit von 1938 bis 1945 vergessen und begraben wollen. Ich halte das für eine vergebliche Hoffnung. Wenn man sich unsere, die österreichische Kultur als Rucksack vorstellt, den wir mit uns herumtragen, ganz gleichgültig, ob uns das passt oder nicht – wenn man sich unsere Kultur also so vorstellt, dann gleicht die Nazi-Periode einem oder vielleicht mehreren Steinen, die da mit verpackt sind. Wir schleppen sie mit, können gar nicht anders, leugnen hilft nichts. Da sind sie, im Rucksack. Aber sie sind nicht der einzige Inhalt. Da gibt’s noch mehr, viel mehr.

Doch ist dieser verengte Blick – ausnahmsweise wäre Fokussierung tatsächlich das passende Wort – doch ist diese Fokussierung nicht das einzig Seltsame in Verbindung mit unserer Vergangenheit. Genau so auffällig ist wohl die Erstarrung der Sichtweise, die Ossifizierung. Eine bestimmte Interpretation hat sich durchgesetzt, hat sich praktisch zum Dogma entwickelt, zu dem, was man einfach zu sagen hat. Bewusst wurde mir das, als ich das Nachwort zum maßgeblichen Werk Postwar des hoch gelobten britischen Historikers Tony Judt las. Dort findet sich nämlich folgender Absatz (die Übersetzung stammt von mir):

Aber von den Österreichern hat ohnehin niemand sehr viel erwartet. Ihr weitgehend ungetrübtes Verhältnis zur jüngeren Geschichte – noch 1990 betrachteten fast zwei von fünf Österreichern ihr Land eher als Hitlers Opfer denn als seinen Komplizen, und 43 Prozent der Österreicher glaubten, der Nationalsozialismus habe „gute und schlechte Seiten“ – bestätigte lediglich ihre eigenen Vorurteile und die der anderen.

Bemerkenswert ist diese Passage deshalb, weil sie meiner Zählung nach gleich drei schwere Fehler enthält.

Erstens: Zu sagen, „die Österreicher“ hätten ein weitgehend ungetrübtes Verhältnis zu „ihrer“ Vergangenheit, ist eine Ohrfeige für all jene, die niemals ein solches Verhältnis hatten oder, wenn doch, sich bemüht haben, es zu überdenken und zu ändern. Ganz bestimmt gilt es nicht mehr für die Generationen von Österreichern, die heute entweder mittleren Alters oder noch jünger sind. Es handelt sich um den klassischen Fall einer unzulässigen Verallgemeinerung.

Zweitens: Österreich als Land war sehr wohl „Hitlers Opfer“. Denn was kann Land hier anderes bedeuten als: Staat? Und Österreich als Staat kann schwerlich Hitlers „Komplize“ gewesen sein, weil es im März 1938 aufhörte zu existieren. Vorher, ab 1933, versuchte es, das Land, nicht von den Nazis vereinnahmt zu werden. Natürlich war es nicht so, dass deswegen alle seine Einwohner Opfer Hitlers geworden wären; ganz im Gegenteil, viele, sehr viele wurden zu „seinen Komplizen“. Aber deswegen gilt das noch lange nicht fürs ganze Land. Und es gilt ebenso wenig für „die Österreicher“, wie wir soeben gesehen haben.

Drittens: „43 Prozent der Österreicher glaubten, der Nationalsozialismus habe gute und schlechte Seiten“ – na so was! Ja, was glauben denn Sie? Zum einen hat oder hatte alles, aber auch schon gar alles gute und schlechte Seiten; selbst das Regime in Nordkorea, selbst Saddam Husseins Regime im Irak, selbst der Kommunismus in der Sowjetunion. Wär’s anders, dann hätten sich diese Regimes niemals durchsetzen können. Und was zum anderen den Nationalsozialismus betrifft – wie hätte er je so erfolgreich sein können, wie hätte er je so viele Menschen für sich einnehmen können, wenn er nicht auch gute Seiten gehabt hätte? Das ändert nichts an den gigantischen Massenverbrechen des Nationalsozialismus, noch ändert’s etwas an dem Elend, das er über die Menschen in ganz Europa gebracht hat, Deutschland und Österreich eingeschlossen. Aber zu verlangen, dass die Österreicher – oder sonst wer – etwas anderes glauben, wäre eine Vergewaltigung des gesunden Menschenverstandes.

Man fragt sich, wie ein renommierter Historiker mit durchaus enzyklopädischem Wissen so was schreiben konnte. Möglicherweise hat er bloß das wiedergegeben, was ihm von österreichischen Gesprächspartnern erzählt wurde. Hierzulande wurden diese Behauptungen ja so oft und so unbeirrt wiederholt, im Druck ebenso wie im Rundfunk und im Fernsehen, dass sie sich zur Lehrmeinung verfestigt haben. Und die wird eben ohne zu denken nachgebetet.

Tony Judt, Postwar: A History of Europe Since 1945 (London: Vintage, 2005). Ich beziehe mich auf den Epilog, “From the House of the Dead: An Essay on Modern European Memory”, pp. 803–833.
Die besprochene Stelle findet sich auf S. 812–13. – Tony Judt ist 2010 verstorben.

Gott soll einen behüten

E. J. Dionne et.al., One Nation After Trump

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Das Buch mag von drei Autoren geschrieben worden sein, es handelt sich jedoch keineswegs um eine Sammlung von Aufsätzen. Tatsächlich sind die Beiträge nicht zu erkennen, geschweige denn zuordenbar. Der Titel hingegen spielt bewusst an eine Stelle aus jener Pledge of Alligance an, welche viele US-amerikanische Schüler jeden Tag oder doch jede Woche zu deklamieren haben, mit dem Gesicht zur Fahne und der Hand auf dem Herzen: „one Nation under God…“ Worum’s in dem Buch geht, das ist die Präsidentschaft von Donald Trump – allerdings nicht so sehr um seine Person, als vielmehr um die Wähler und Wählerinnen, die für ihn gestimmt haben. Wozu man sagen muss, dass der Band bereits 2017 erschienen ist, also am Anfang von Trumps Amtszeit. Wie’s weiterging, das konnten die Autoren damals nicht wissen.

Warum also haben so viele US-Amerikaner und -Amerikanerinnen Trump gewählt? Die Frage wird landauf, landab erörtert – und das nicht nur in den USA. Der Erklärungen, oder besser: der Erklärungsversuche gibt es inzwischen etliche, man muss allerdings dazu sagen, dass sie letztlich immer auf dasselbe hinauslaufen: Die wirtschaftliche Lage, die Kulur.

Wirtschaftlich läuft’s für breite Schichten der Bevölkerung nicht gut. Arbeitsplätze sind von zwei Seiten bedroht, von der Abwanderung durch Globalisierung und von der Automatisierung. Die resultierende Arbeitslosigkeit untergräbt gewohnte Verhaltensweisen, Gemeinschaften, Werte, Richtlinien. Eine Folge ist die Opioid-Epidemie. Dazu kommen noch jene Anliegen, die den Mittelschichten so viel wichtiger zu sein scheinen als die Nöte arbeitender Menschen. Man denkt etwa an LGBT (oder wie die inzwischen heißen, es kommen ja dauernd Buchstaben dazu), an political correctness, an MeToo und so weiter. Mit ein bisschen Empathie, mit ein bisschen Phantasie kann man sich ausmalen, wie und warum sich da ein backlash zusammengebraut hat.

Die Autoren unseres Buches haben sich bemüht, ihre Thesen mit empirischen Zahlen zu untermauern, an welchen es denn auch nicht fehlt. Der Verdienst des Unterfangens soll gewiss nicht geschmälert werden; aber was sie beschreiben, was sie identifizieren – das haben wir eigentlich schon gewusst, wiewohl nicht so detailliert. Die eigentliche Erklärung für das Verhalten der Trump-Wähler, die scheint mir nach wie vor zu fehlen.

Das umso mehr, als viele Wähler Trump im Jahre 2020 ja wieder gewählt haben – nicht weniger als 74,2 Millionen (was die Autoren nicht wissen konnten, als sie das Buch schrieben). Trotzdem hat er verloren, großes Aufatmen rund um die Welt. Doch in Anbetracht dessen, was der gute Donald zuvor vier Jahre lang aufführte, hätte man sich doch eine klarere Abfuhr erwartet. In Wirklichkeit waren wir schon froh, dass er überhaupt unterlag. Eben dies verweist auf das eigentliche, das zugrunde liegende Problem: Was ging in diesen Wählern vor, dass sie ihn nach vier Jahren wieder wählten, in denen ihr Held aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Kasperltheater gemacht hat? Und was geht in jenen vor, welche ihm heute noch die Stange halten?

Bedenken wir bitte: Eine ähnliche Erscheinung kennen wir aus Großbritannien mit Brexit, Boris Johnson und seiner stümperhaften Regierung; und wir kennen’s hier in Österreich seit Haider und einschließlich Strache. Eine pessimistische Sichtweise entdeckt sofort ernsthafte Bedrohungen für unsere Gemeinwesen. Wenn der Eindruck stimmt, dass bestimmte Einstellungen viel weiter verbeitet und viel tiefer verankert sind, als wir vom Kommentariat uns das vorstellen können – nun, dann muss damit gerechnet werden, dass die Sache nach dem Sieg Joe Bidens noch lange nicht ausgestanden ist. Oder nach dem Ibiza-Video. Das Dumme dabei: Offenbar weiß niemand, was dagegen zu tun wäre. Diesen Eindruck können auch die Autoren im hier besprochenen Buch nicht ändern, obwohl sie sich bemühen, optimistische Strategien zu präsentieren. Sehr glaubwürdig erscheinen diese jedoch nicht – zumindest nicht diesem Leser.

Was bleibt, das sind Fragen: Ist es wirklich möglich, dass Menschen – sehr viele Menschen – gegen ihre offensichtlichen Interessen abstimmen? Und das nicht bloß einmal, sondern noch einmal? Was geht in denen vor? Sehen sie ihre Interessen womöglich anders als wir? (In welchem Falle ihre Wut über die Bevormundung von unserer Seite tatsächlich nachvollziehbar wäre.)

Aber das sind alles Spekulationen. Leider müssen wir uns vorläufig mit solchen zufrieden geben. Bei aller Suche nach Details, trotz all der Statistiken und Zahlen vermögen die Autoren von One Nation After Trump daran leider auch nichts zu ändern. Wir können – wieder einmal – nur hoffen. Bloß ist’s mit dem Hoffen halt so eine Sache. Ich denk’ da unwillkürlich an Friedrich Torbergs Tante Jolesch und wandle im Geiste ihr berühmtes Diktum ab: „Gott soll einen behüten vor allem, was man nur noch hoffen kann!“

E. J. Dionne, Jr., Norman J. Ornstein and Thomas E. Mann, One Nation After Trump: A Guide for the Perplexed, the Disappointed, the Desperate, and the Not-Yet Deported (New York: St. Martin’s Press, 2017).
E. J. Dionne et.al., One Nation After Trump

The book may have been written by three authors, but that does not mean it comes as a collection of essays. The different contributions can’t be identified, let alone attributed. The title, on the other hand, deliberately alludes to a passage from the Pledge of Alligance, which US-American school children have to recite at least once a week, if not daily, with their faces turned to the flag and their right hands on their hearts: „one Nation under God…“. The book is about the presidency of Donald Trump – not so much about his person as about the people who voted for him. It should be mentioned that the volume was published in 2017, in the early days of Trump’s term in office. The authors could not know at the time what was yet to come.

So why did so many Americans vote for Trump? The question has been widely discussed, both in the US and all over the world. By now there are numerous explanations, or rather attempts at explanations, but it has to be said that in the end they tend to boil down to the same things: the economic situation, culture.

Economically, things are not going well for broad sections of the population. Jobs are under threat from two sides: from the exodus due to globalisation and from automation. The resulting unemployment is undermining customs, values and guidelines. One consequence is the notorious opioid-epidemic. Then there are those concerns that seem to be so much more important for the middle classes than the needs of working people. One thinks of LGBT (or whatever they may presently be called, letters being added all the time), political correctness, MeToo and so on. With a little empathy and a little imagination, one can understand how and why a backlash has been brewing.

The authors of our book have endeavoured to support their theses with empirical figures of which there is no lack. The merit of this approach should by no means be diminished; but what they describe, what they identify – well, actually, we know these things by now, albeit not in such detail. What we’re still waiting for, it seems to me, is a plausible explanation of the behaviour of Trump’s voters.

All the more so because many voted for Trump again in 2020 (no less than 74.2 million). Nevertheless, he lost – a big sigh of relief around the world. But considering the way dear old Donald had performed in the previous four years, one would have expected a clearer rebuff. As it was, we were glad that he lost at all. This points to a fundamental problem: what was going on in those voters’ minds that they re-elected a man who had made a cheap comedy show of his Presidency? And what is going on in the minds of those who still support him today?

We should remember that we’re witnessing similar trends in Great Britain, where we have Brexit, Boris Johnson and his bungling government; and we’ve seen them in Austria thanks to Haider and Strache. A pessimistic view immediately identifies serious threats to our political system. If the impression is correct that certain attitudes are much more widespread and much more deeply engrained than we in the commentariat can comprehend – well, then we have to reckon that the troubles won’t be over after Joe Biden’s victory. Or after the Ibiza video. The trouble is that no one seems to know what to do about them. Even the authors of the book under review cannot dispel our worries, although they try to present optimistic strategies. However, these do not come across as overly convincing – at least not to this reader.

What remains are questions: Is it really possible that people – numerous people – will vote against their manifest interests? And not just once, but repeatedly? What is going on in their minds? Is it possible that their concepts of their own interests differs drastically from our assumptions? (In which case their anger at being patronised would indeed be comprehensible).

But these are all speculations. Unfortunately, that’s what we’ll have to be content with for the time being. For all their love of detail, despite all their statistics and data, the authors of One Nation After Trump are not able to really change this. Once again, we can only hope. But hoping is one thing. As an Austrian, I have to think of Friedrich Torberg’s Tante Jolesch, whose famous dictum I paraphrase in my mind: “May God protect us from what we can only hope for!”

E. J. Dionne, Jr., Norman J. Ornstein and Thomas E. Mann, One Nation After Trump: A Guide for the Perplexed, the Disappointed, the Desperate, and the Not-Yet Deported (New York: St. Martin’s Press, 2017).

Lebensgeschichten

Letzte Zeugen erinnern, hg. von Heinrich Gritsch

Ein eigenartiges Buch: Da macht sich jemand aus dem Tiroler Oberland auf und spricht mit älteren Menschen über ihr Leben, ihre Erlebnisse. Und daraus macht er ein Buch, welches im Eigenverlag erscheint. Ist’s die Mühe wert? Ich meine nicht nur die Mühe des Machens, sondern auch des Lesens?

Zugegeben, wir erfahren nichts drastisch Neues, nichts Sensationelles. Aber genau das ist doch der Wert so eines Buches: Die durchschnittlichen, die „normalen“ Menschen kommen zu Wort. Denn so unspektakulär ihr Leben verlaufen mag, so steckt doch jede Menge Sorge, Leid, Trauer drin. Und natürlich Arbeit. Das sollte man niemals vergessen, besonders wenn man die Welt aus der erhabenen Sichtweise der Literatur oder der Geschichtsschreibung betrachtet.

Natürlich ergibt sich aus dieser Normalität eine gewisse Monotonie. Die Lebensgeschichten ähneln einander. Das resultiert unter anderem auch aus den Zeitläuften, wie’s manchmal heißt. Die Nazi-Zeit, der Krieg. Die Erzähler räumen durchaus ein, von den Nazis angetan gewesen zu sein. Mehr gesteht aber niemand ein, und selbst das eher verschämt. Richtige Nazis waren immer die anderen. Nicht, dass selbiges hier als Vorwurf erhoben werden soll. Aus damaliger Sicht, aus der Sicht dieser Menschen war die Anziehungskraft der Nazis nicht nur verständlich, sondern beinahe schon zwingend. Das vergisst man heute allzu leicht. Was danach geschah, wohin das führte, das konnten die Menschen damals nicht wissen.

So ist dem Herausgeber zu seiner Idee und seiner Beharrlichkeit nur zu gratulieren. Eigenverlag hin oder her, das Buch ist professionell gestaltet; auch das verdient Anerkennung.

Empfehlenswert? – Ja, eindeutig. Die Mühe lohnt sich, ist im Übrigen nicht übermäßig groß.

Letzte Zeugen erinnern, hrsg. von Heinrich Gritsch (Silz: Eigenverlag, 2. Aufl. 2018).

Wir werden nimmer ihresgleichen sehen

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Michelle Obama, Becoming     

Nach der Biographie (Verknüpfung am Ende des Beitrags) die Autobiographie. Eine solche lese ich allerdings mit großem Vorbehalt: Denn selbst wenn sich der Autor oder die Autorin bemüht, den Eindruck der Ehrlichkeit zu erwecken, allzu oft gelingt’s letztlich doch nicht und die gute alte Eitelkeit bricht sich Bahn.

Und bei Michelle Obama?

Nun, ein definites Urteil möchte ich nicht abgeben, dazu fehlen mir Einblicke, Hintergrundwissen. Ich kann also bloß von meinen eigenen Beobachtungen sprechen. Da ist’s aber so, dass der Ton, den Michelle Obama anschlägt, die Art und Weise, wie sie erzählt, worauf sie Wert legt und was sie nur streift – dass all das einen höchst sympathischen Eindruck erweckt: der Tonfall strahlt Wärme aus, Mitmenschlichkeit, aber auch Unsicherheit, Selbstzweifel: „Will I be good enough?“ Der Leser – nun, zumindest dieser Leser – hofft und bangt mit ihr. Woraus sich ein Spannungsbogen ergibt, der die Lektüre noch einmal fesselnder macht.

Aber was gibt es da zu hoffen und zu bangen? Wir kennen doch Mrs Obamas Erfolgsgeschichte, oder? Die vielen firsts, die sie als schwarze Frau an ihre Fahne heftete.

Mag sein, aber aus der Perspektive der Dame selbst schaut das doch ein bisschen anders aus. Der äußere, der politische Erfolg, gipfelnd in einer achtjährigen Residenz im Weißen Haus, der scheint ihr nicht besonders angelegen zu sein. Eher schon im Gegenteil: ihr Misstrauen gegen Politik, gegen die hässlichen Methoden, die dort zur Anwendung kommen, das tritt klar zutage, und es legt sich auch nicht im Laufe der Zeit. Was Michelle Obama stets fürchtete, das waren die Auswirkungen auf ihre beiden Töchter, auf ihre Familie. Es muss beträchtliche Kraft gekostet haben – mehr vielleicht, als im Buch zum Ausdruck kommt – eine Art Familienleben aufrecht zu erhalten, wenigstens eine ferne Erinnerung an Normalität, und vor allem die Töchter solcher Art groß zu ziehen. Wie’s scheint, ist es gelungen. Eine bewundernswerte Leistung.

Aber dann ist Michelle Obama eben eine bewundernswerte Frau. Das wird keineswegs bloß aufgrund ihrer Autobiographie konstatiert. Was wir ansonsten von ihr wissen, formt dieses Bild genau so, vielleicht sogar noch stärker. Sie hat sich stets bemüht, nicht bloß First Lady zu sein, sondern etwas zu tun, etwas zu bewirken. Ihre Initiativen galten etwa der Bekämpfung des Übergewichts bei jungen Amerikanern, und zwar mittels gesunder Ernärhung sowie Bewegung; oder den Angehörigen von Soldaten im Kriegseinsatz und dem Schicksal von Veteranen; und schließlich – natürlich, ist man versucht zu sagen – den Afro-Amerikanern, besonders den schwarzen Frauen. (Wir wagen es, diesen Ausdruck zu gebrauchen, da sich Mrs. Obama selbst als schwarz bezeichnet.)

Interessant zu erfahren, dass Barack Obama zwar der vierundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten war, dass es jedoch gar nicht so viele Familien gab, denen es gelang, acht Jahre lang im Weißen Haus zu residieren. Wobei Mrs Obama auch in dieser Beziehung stets bemüht war, wenigstens einen Hauch von Normalität zu wahren. Leicht ist es ihr nicht gefallen, wenn jeder Schritt eines Familienmitglieds von Sicherheitsbeamten begleitet wurde, und wenn jede Ausfahrt gleich einen ganzen Konvoi nach sich zog. Einmal wollten Michelle und Barack eine frühere Tradition weiterführen und am Abend zum Essen ausgehen. Doch das simple Vorhaben entwickelte sich zu einem derart aufwändigen Unternehmen mit abgesperrten Straßen, Sicherheitschecks nicht bloß des Lokals, sondern auch gleich der Gäste, dass sie fortan von solchen Ausflügen Abstand nahmen. Trotzdem wurden sie von republikanischer Seite wegen des Aufwands kritisiert – etwas verwunderlich, bedenkt man, was Mr. Trump später trieb.

Tatsächlich ist es letztlich unfassbar, wie nach den strahlenden Obama-Jahren ein derartiger Absturz erfolgen konnte. Nicht, dass Michelle viele Worte darüber verliert. Sie übt sich in nobler Zurückhaltung. Die scheint ihrem Wesen zu entsprechen. Aber so wie wir dürfte sie die weitere Entwicklung wohl fassungslos mitverfolgt haben. Wir können uns inzwischen nur an unserer Erinnerung festhalten: So könnte es auch gehen! Wer weiß, vielleicht wird sich das als wichtiges Erbe dieser beiden bemerkenswerten Menschen, Barack und Michelle, herausstellen. Frei nach Shakespeare etwa:

Sie war eine Frau, nehmt alles nur in allem!
Wir werden nimmer ihresgleichen sehn.

Noch lebt sie aber, glücklicherweise, und deshalb werden wir sie hie und da hoffentlich im Fernsehen bewundern dürfen. Eine politische Tätigkeit, eine Kandidatur als demokratische Präsidentschaftskandidatin gar hat sie kategorisch ausgeschlossen. Wenn man ihre Autobiographie gelesen hat, dann glaubt man ihr. Im Grunde dürfte sie froh gewesen sein, das Weiße Haus hinter sich zu lassen: die starre Herrschaft des Protokolls, die unbarmherzigen Blicke der Öffentlichkeit. Wir danken ihr für das, was sie getan hat, was sie vermittelt hat, und wünschen ihr das Aller-Allerbeste.

Empfehlenswert? – Unbedingt!

First Lady

Michelle Obama, Becoming (London: Viking, 2018). – Die deutsche Ausgabe ist unter dem Titel Becoming: Meine Geschichte erschienen (München: Goldmann, 2018).
Michelle Obama, Becoming

After the biography (see link at the bottom), the autobiography. I have to say, however, that I tend to read autobiographies with great reservations: even if the author tries to give the impression of being honest, all too often it doesn’t really work and good old vanity takes over.

What about Michelle Obama?

Well, I don’t want to make a definite judgement; I just don’t have enough insight or background knowledge. I can only speak of my own impressions. But the tone Michelle Obama adopts, the way she tells her story, what she emphasises and what she only touches on – all this creates a favourable impression: the book radiates warmth, compassion, but also insecurity, self-doubt: „Will I be good enough?“ The reader – well, at least this reader – hopes and fears with her. Which results in an arc of suspense that makes reading even more compelling.

But what is there to hope and fear? We know Mrs Obama’s success story, don’t we? The many firsts that she, as a black woman, wrote on her banners.

Maybe, but from the perspective of the lady herself, it looks a bit different. Her political success, culminating in an eight-year residency in the White House, does not seem to be particularly important to her. On the contrary: her distrust of politics, of the ugly methods used there, is clearly evident, and it does not subside over time. What Michelle Obama always feared was the impact on her two daughters, on her family. It must have taken considerable strength – more, perhaps, than is discussed in the book – to maintain some kind of family life, at least a distant memory of normality, and above all to raise the daughters in such a way. It seems that she succeeded. An admirable achievement.

But then Michelle Obama is an admirable woman. The judgment is by no means based on her autobiography alone. What we know of her in general underlines this impression, maybe even reinforces it She always tried not just to be a First Lady, but to achieve something, to make a difference. Her initiatives included combating obesity among young Americans through healthy eating and exercise; the families of soldiers on foreign missions and the fate of veterans; and finally – of course, one is tempted to say – African-Americans, especially black women. (We dare to use that term since Mrs Obama describes herself as black).

Interesting to learn that while Barack Obama was the forty-fourth President of the United States, there were not all that many families who managed to reside in the White House for eight years. And there, too, Mrs Obama always tried to maintain at least a semblance of normality. It can’t have been easy for her as every step of a family member was accompanied by security guards, and as every excursion entailed a whole convoy. Once, Michelle and Barack wanted to continue an earlier tradition and go out for dinner one evening. But the simple plan turned into such an elaborate operation with roads cordoned off and security checks not only of the restaurant but even of the guests that in future they refrained from such outings. Nevertheless, they were criticised by the Republican side for the expense – somewhat ironic, considering what Mr. Trump used to practice later.

Indeed, in the end, it is hard to understand how such a crash could occur after the bright Obama years. Not that Michelle says about this. She practices noble restrain which seems to be in keeping with her nature. But like us, she must have been stunned by what followed. Lacking an explanation we can only hold on to our memories: This is how it could be! Who knows, maybe this will turn out to be the most important legacy of two remarkable people, Barack and Michelle. Two Shakespeare lines come to mind, even if adopted:

She was a woman, take her for all in all,
We shall not look upon her like again.

But she is still alive, fortunately, and therefore we’ll hopefully be able to admire her on television now and then. She has categorically ruled out any political activity, let alone running for the Democratic presidential nomination. If you read her autobiography, you will believe her. Basically, she must have been happy to leave the White House: the rigid rule of protocol, the merciless scrutiny by the public. We thank her for what she has done, what she has conveyed, and wish her the very best.

Recommended? – Absolutely!

First Lady

Michelle Obama, Becoming (London: Viking, 2018).

Es knistert im Gebälk

Das muss wohl im Winter 1968/69 gewesen sein. Wir befanden uns in der achten Klasse. Da kam eines Tages überraschend der Herr Direktor herein – stahl uns die Pause – und begann, von den politischen Verhältnissen zu sprechen. Vor allem hatte es ihm die Wirtschaft angetan, von der wir damals nichts verstanden und die uns nicht interessierte.

„Es knistert im Gebälk“, orakelte er vieldeutig und düster.

Wir waren durchaus bereit ihm zu glauben. Erstens überhaupt und zweitens, weil sich damals schon im Hintergrund das unbehagliche Gefühl bemerkbar machte, es sei uns zu lange zu gut gegangen, ergo müsse bald eine Krise kommen. Man durfte unseren Altvorderen nicht böse sein wegen ihrer pessimistischen Sicht der Dinge, nach allem, was sie durchgemacht hatten.

Ich weiß nicht mehr, ob Volkswirtschaftler damals wirklich eine Krise prognostizierten. Woran ich mich erinnere, ist dies: Sie kam nicht. 1970 stellte die SPÖ erstmals eine Alleinregierung in Österreich, die Ära Kreisky begann. Das rief erst recht die Kassandras auf den Plan. Aber es wurde bloß besser, immer besser – die nächsten dreißig Jahre, das war die beste Zeit, welche unser Land je erlebt hatte.

„Das goldene Zeitalter“, zitierte ich viel später einmal, im Rückblick, den Historiker Eric Hobsbawm.

„Wohl eher das diamantene“, meinte eine Kollegin.

Daran änderte nicht einmal der Ölschock etwas – eigentlich gab’s ja zwei davon: den ersten, an den wir uns erinnern, im Jahre 1973, und einen zweiten 1979. Wie es sich traf, konnte ich die Auswirkungen in zwei Ländern beobachten: in Großbritannien und in Österreich. Im einen Fall kam es zu katastrophalen Zuständen mit Inflation, Streiks, blackouts, Drei-Tage-Woche, kalten Wohnungen, Ausrufung des nationalen Notstands (state of emergency). Im andern Falle – praktisch nur ein Kräuseln. In England hieß es, das deficit spending nach John Maynard Keynes habe versagt. Aber in Österreich?

Gewiss, gewiss, die Schulden – der berühmte Sager von Bundeskanzler Dr. Kreisky: „Ein paar Milliarden mehr Schulden bereiten mir weniger schlaflose Nächte als hunderttausend Arbeitslose.“ Von den Kassandras wurde das mit Entsetzen quittiert. Glaubte man ihnen, so drohte wieder einmal der Kollaps. Und es geschah – nichts. Schulden wurden gemacht, zugegeben, aber im Vergleich zu dem, was später kam, handelte es sich um nicht mehr als ein Lüfterl. Später: Das meint die achtziger Jahre, da ging’s so richtig los mit der Staatsverschuldung. Aber da regierte die SPÖ nur noch in Koalitionen, zuerst mit der FPÖ, dann mit der ÖVP (ab 1986). Beim weitaus überwiegenden Großteil aller österreichischen Staatsschulden haben ÖVP-Minister eifrig das Handerl gehoben: denn im Ministerrat werden Beschlüsse einstimmig gefasst.

Na ja, und dann krachte es wirklich: 2008, der credit crunch. Nur hatte uns den niemand vorausgesagt, gar niemand. Es knistert im Gebälk? Im Gegenteil! Es sei alles leiwand, beruhigten uns die Superg’scheiten, Sie wissen schon: Börsenmakler, Finanzexperten, Wirtschaftswissenschaftler. Alles in Ordnung! Krisen gibt’s keine mehr, dazu sind wir jetzt viel zu gescheit geworden, mit unseren Computerberechnungen in Sekundenschnelle.

Und dann standen sie vor der Fernesehkamera in London, in der City, in ihrem dunkelblauen Maßanzug und konnten ihre Angst nicht verbergen: „The markets don’t work anymore.“

Und sie bettelten – ja, worum wohl?

Um den Staat: „Why don’t they nationalize?“

Wenn ich das nicht live im britischen Fernsehen gesehen und gehört hätte, dann würde ich’s selber nicht glauben.

Da hat’s also nicht bloß geknistert, da hat’s gekracht. Bloß waren nicht wir schuld, die durchschnittlichen Menschen, weil wir zu viel ausgegeben und zu wenig gearbeitet hätten. Nein. Schuld waren die Finanzheinis, die Makler und Konsulenten und Manager, wie auch immer sie sich bezeichnen mochten. Auslöffeln durften die Suppe hingegen wir, nicht die Millionen-Verdiener.

In Österreich überstanden wir auch diese Krise mit vergleichsweise geringem Schaden. Die Briten bezahlten mit austerity, mit einem drastischen, um nicht zu sagen brutalen Sparkurs ab 2010. Da kamen nämlich die Konservativen wieder an die Macht (zunächst zusammen mit den Liberalen). Und das Resultat? Nun, um nur von den Schulden zu sprechen: Die Staatsschuldenquote (Schuldenstand des Gesamtstaates in Prozent des BIP) dürfte 2020 im Vereinigten Königreich bei 104 Prozent gelegen sein. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zehn Jahre austerity, und die Schuldenquote steigt auf über hundert Prozent! Vor der Krise lag sie noch bei vierzig Prozent. (Österreich: damals 68%, jetzt 84%).

Es knistert im Gebälk?

WKO, „Öffentliche Verschuldung: Staatsschuldenquote (Schuldenstand des Gesamtstaates in % des BIP)“, WKO Statistik (Juli 2020) <http://wko.at/statistik/eu/europa-verschuldung.pdf> [heruntergeladen 24. Februar 2021].

Pfiffig um die Welt

Ewald Gerhard Seeliger, Peter Voß, der Millionendieb

Die Geschichte um Peter Voß dürfte einigermaßen bekannt sein, sie wurde mehrmals verfilmt. Es ist die Geschichte eines Defizits, das scheinbar gestohlen wird, um solcherart einen Konkurs zu verhindern. Damit der Schwindel nicht zu früh auffliegt, muss der angebliche Millionendieb rund um die Welt fliehen, stets verfolgt von einem Superdetektiv.

Die berühmteste Filmversion dürfte jene mit O. W. Fischer aus dem Jahre 1958 sein, zuletzt gab’s 1977 eine deutsche Fernsehserie. Weniger bekannt ist hingegen der Roman selbst. Er stammt von einem Mann namens Ewald Gerhard Seeliger und meinen Informationen zufolge aus dem Jahre 1913. Die Version, welche mir zur Verfügung steht, bezieht sich allerdings mehrmals auf den Ersten Weltkrieg. Wie sich herausstellt, wurde der Roman überarbeitet und 1929 neu herausgebracht.

Das steht durchaus in Einklang mit seinem Wesen, nämlich als leichte Unterhaltungsliteratur. Dazu gehören nicht bloß der flotte, pfiffige Ton, sondern ebenso ein gerüttelt Maß an Unwahrscheinlichkeit, an leichtfertigem Überspringen von Widersprüchen. Das tut ja nichts zur Sache. Flüssig zu lesen ist die Geschichte allemal, und nur darum geht’s.

Oder fast nur – zur Überraschung des Lesers, der Leserin finden sich Stellen, die durchaus ein bisschen tiefer gehen: Gespräche über Kapitalismus, Finanzwelt, ja sogar übers Regieren. Da wird eine antiautoritäre, ja geradezu anarchische Ader unübersehbar. Womit natürlich nicht gesagt sei, es handle sich um einen politischen Roman. Weit gefehlt! Weder die Zustände der Weimarer Republik kommen je zur Sprache, noch die Weltwirtschaftskrise (ich nehme an, das Buch erschien vor deren Ausbruch im Oktober 1929).

Mein Exemplar stammt aus der Bibliothek meiner Großmutter. Auf dem Vorsatz hat sie die Nr. 45 eingetragen, das Erwerbsdatum 28. IV. 30 sowie in gepflegter, schwungvoller Handschrift ihren Namen. Gelesen hab’ ich es nun, weil es mir zufällig in die Hände kam, sowie aus nostalgischer Erinnerung. Es gab ein paar Stellen, an die ich mich erinnern konnte, und die ich wie alte Bekannte freudig begrüßte.

Aber das soll die Bedeutung des Romans nicht künstlich steigern. Es handelt sich um reine Unterhaltung, sonst nichts. Angesichts so mancher schwer beladenen Tiefsinnigkeit im deutschen Roman stellt das freilich auch ein Verdienst dar, zumindest eröffnet es Abwechslung. Die hab’ ich nach ziemlich schwerer, trockener Lektüre in letzter Zeit auch gebraucht.

Empfehlenswert? – In diesem Sinne, durchaus. Zu viel darf man sich natürlich nicht erwarten.

Edward Gerhard Seeliger, Peter Voß, der Millionendieb oder Das entwendete Defizit (Berlin: Globus Verlag, 1929).

Wozu?

Sehr geehrter Herr Kotrschal!

In Ihrem Kommentar im Standard vom 29. Juni 2021 äußern Sie sich zum leidigen Wolfs-, Bär und eventuell auch noch Luchs-Problem, das uns nun schon seit einigen Jahren plagt. Wenig überraschend ergreifen Sie als Verhaltensbiologe die Partei eben dieser Raubtiere. Dabei gehen Sie so weit zu behaupten, das „Hauptproblem des Schutzes der großen Beutegreifer in Österreich“ sei die „illegale Abknallerei der Wölfe wie auch der Bären, Luchse und Greifvögel…“

Wirklich?

Schon am nächsten Tag erfahren wir aus der Tiroler Tageszeitung, dass ein Wolf auf der Oberhofer Alm (im Oberinntal, Raum Telfs) 31 Schafe gerissen habe. Die Bauern hätten sich darauf hin gezwungen gesehen, die Tiere von der Alm zu holen.

Das sagt sich so leicht. Aber hat man eigentlich je bedacht, was das konkret bedeutet? Die Schafe müssen im Stall gehalten werden, sie müssen gefüttert werden, und das zu einer Jahreszeit, da solches absolut nicht vorgesehen ist. Kann man sich diesen Arbeitsaufwand vorstellen? Und was das kostet? Um von den 31 getöteten Tieren erst gar nicht zu reden.

Wie ich sehe, sind auch Sie geneigt, den Schafhaltern die Verantwortung aufzubürden: Es gehe längst nicht mehr um Zäune auf den Almen, mahnen Sie, sondern um „klassische Behirtung und Herdenführung.“ Auch auf den Almen werde man um „fachgerechten Herdenschutz“ nicht herumkommen.

Aber was, bitte schön, soll das sein: Klassische Behirtung und Herdenführung? Fachgerechter Herdenschutz? Wie funktioniert das, wie wirksam wäre so was? Und noch einmal: Wieviel zusätzlichen Arbeitsaufwand verlangt das? Wieviel Geld?

Wozu?

Als Nutzen der großen Raubtiere geben Sie lediglich an, Wölfe seien durch „Kontrolle von Fuchs, Goldschakal oder Fischotter“ die „Hüter einer diversen Fauna“.

Was indes gleich mehrere Fragen aufwirft. Waren Fuchs, Goldschakal oder Fischotter vor Ankunft der Wölfe etwa außer Kontrolle?

Und vor allem: Was ist, bitte schön, eine diverse Fauna? Gehören Wolf, Bär & Co. da unbedingt dazu, oder sind sie bloß Draufgabe, Verzierung? An welchen Grad der Diversität denken Sie? An jenen vor 200 Jahren? 300? 500? Und wenn Diversität sein muss, warum nicht auch Wildschwein und Wisent hier bei uns in den (nicht mehr vorhandenen) Innauen? Oder wie wär’s der Vollständigkeit halber vielleicht mit Ratten samt zugehörigen Flöhen, die auf den Menschen überspringen – na ja, Sie wissen schon.

Doch selbst damit ist unsere grundlegende Frage nicht beantwortet:

Wozu?

Wozu soll der Schafhalter oder die Schafhalterin hier bei uns so viel mehr arbeiten, so viel Geld ausgeben, nur damit’s Wölfe und den vereinzelten Bären geben darf? Und selbst wenn ihm oder ihr die Kosten erstattet werden, großzügig womöglich – wozu soll ich, als Steuerzahler, dafür aufkommen? Nur damit Wildtier-Biologen sich an ihren Raubtieren ergötzen können?

Tut mir leid, aber das ist einfach nicht einzusehen. Und um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Natürlich sind unserem Handlungsspielraum durch EU-Gesetze enge Grenzen gesetzt. Aber soweit mir bekannt, dürfen geltende Gesetze durchaus kritisiert werden. Man darf sogar auf ihre Veränderung oder Abschaffung hinarbeiten. Immerhin kam genau so unser so genannter Fortschritt zustande.

Aber gut – Abschießen wird nicht so einfach gehen. Wie wär’s jedoch mit folgender Vorgangsweise, Herr Kotrschal: Für jedes große Raubtier, das hier bei uns auftaucht und das Schäden, Folgekosten, Arbeitsaufwand verursacht – für jedes Raubtier also finden sich Sponsoren, die sich verpflichten, für alle diese Kosten aufzukommen, und zwar umfassend und total. Ist das sichergestellt, darf das Tier bleiben. Wenn nicht –

Mit freundlichen Grüßen
H. W. Valerian

Kurt Kotrschal, „Wider die verkürzte Jägersicht“, derStandard (29. Juni 2021).

„31 tote Schafe in Oberhofen, Bauern holen Tiere von der Alm“, Tiroler Tageszeitung (30.06.2021).

 

Thatcher, Thatcher, milk snatcher

[for an English version see below]

Dominic Sandbrook, Who Dares Wins

Um es gleich vorwegzunehmen: Die legendäre Schlagzeile von Margaret Thatcher als “milk snatcher” kommt im hier zur Debatte stehenden Buch nicht vor. Sie stammt aus einer früheren Zeit. Warum sie sich trotzdem aufgedrängt hat, wird sich gleich erweisen.

Who Dares Wins ist der fünfte Band einer Reihe, an welcher der englische Historiker und Journalist Dominic Sandbrook schon seit Jahren arbeitet (Liste am Ende des Beitrags). Es handelt sich um Zeitgeschichte – eine Geschichte Großbritanniens von 1956 an. Der Beginn ist natürlich nicht zufällig gewählt: Die Suez-Krise war jenes einschneidende Ereignis, in dessen Verlauf das Vereinigte Königreich endgültig und unleugbar seine Weltmacht-Stellung einbüßte.

Die Art von Geschichte, welche Sandbrook schreibt, zeichnet sich durch ihre Vielseitigkeit aus; man könnte fast von einer Art Universalgeschichte sprechen. Da werden nämlich nicht bloß politische Entscheidungen seziert; ebenso kommt die Kultur zur Sprache, und zwar in Form von Romanen, Theaterstücken, Filmen, Rockbands sowie als Alltagskultur. Für jemanden wie mich bringt das etliche Aha-Erlebnisse, oder besser: Ach-ja-Erlebnisse, wenn man sich plötzlich wieder erinnert. Allerdings – an wesentlich mehr erinnert man sich eben nicht, man fragt sich, wie diese oder jene Entwicklung so an einem vorbeigehen konnte. Ich nehme an, britischen Lesern ergeht es ähnlich, obwohl sie doch die ganze Zeit mitten drin gelebt haben. Ich war bloß Besucher.

Der neueste Band von Sandbrooks grand oeuvre beschäftigt sich mit den Jahren 1979–1982. Er reicht also von der historischen Wahl Margaret Thatchers bis zum Falklands-Krieg. Das umfasst eine relativ kurze Zeitspanne, und gar so viel ist da eigentlich nicht passiert, sieht man vom Krieg ab, der von Sandbrook allerdings nicht im Detail geschildert wird. Ihm scheint es eher um die Verhandlungen und die Entscheidungen in Westminster zu gehen. Abgesehen davon, bewegte in jenen Jahren das Schicksal der britischen Stahlindustrie die Öffentlichkeit. Die wurde nun nämlich – entgegen bisher geübter Praxis – ihrem eigenen Schicksal überlassen. Das bedeutete: zerschlagen, verkauft, zugesperrt. Das Schicksal jener, welche mit unbewegter Miene derart folgenreiche Entscheidungen trafen, gestaltete sich natürlich gnädig; das Schicksal der Arbeiter und Angestellten hingegen war bitter und böse. Und niemand, gar niemand stand ihnen bei. Wie viele Lebenspläne wurden da zerstört? Wie viele Jugendliche um ihre Zukunft gebracht?

(Die blöde Platte mit der Eigeninitiative wollen wir lieber nicht auflegen. Wenn die Zahlen einmal in die Hunderttausende gehen, oder gar in die Millionen, dann ist Eigeninitiative per definitionem keine Lösung mehr.)

Margaret Thatcher zeichnete sich in dieser Phase durch eiserne Härte aus, durch jeglichen Mangel an Mitgefühl – the Iron Lady (wie sie schon 1976 von einer sowjetischen Armeezeitung getauft worden war). Man könnte argumentieren, das sei nötig gewesen, um endlich, endlich etwas zu bewegen in den völlig verfahrenen industrial relations, und ich würde nicht widersprechen, selbst heute nicht. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man solche Härte temporär einsetzt, um eine Besserung zu erzielen – was sich konkret niederschlagen müsste –, oder ob die Härte als Prinzip gilt. Bei Thatcher und ihren Kumpanen traf eindeutig das Zweite zu. Ihr Mangel an Mitgefühl oder auch nur Verständnis für die Betroffenen wurde damals schon allgemein beobachtet, selbst in ihrer eigenen Partei.

Dabei gestaltete sich ihre Politik in der fraglichen Periode alles andere als erfolgreich. Das lag in erster Linie am Dogma des Monetarismus, zu dessen Umsetzung sie angetreten war. Aber der funktionierte nicht. Während des Wahlkampfes hatten die Tories über die Labour-Partei gespottet: „Isn’t working“. Nun lagen nicht bloß die Arbeitslosenzahlen höher als während der siebziger Jahre, die Staatsverschuldung nahm auch nicht ab.

Thatcher isn’t working?

Was sie vor einer empfindlichen Niederlage rettete, das war die argentinische Invasion auf den Falkland-Inseln. Diese Gelegenheit ergriff sie eiskalt entschlossen beim Schopf und ließ sie nie wieder los – man könnte von da an gut und gerne vom Kriegs-Thatcherismus sprechen. Aber das liegt jenseits des Zeitrahmens des Bandes, der hier besprochen wird.

Bleibt die Aufgabe, die Sache mit dem „milk snatcher“ zu klären. Die Schlagzeile stammt aus der ersten Hälfte der siebziger Jahre, als Mrs. Thatcher Unterrichtsministerin in der konservativen Regierung von Edward Heath war. Viel bewegte sie damals nicht, vor allem stellte sie sich keineswegs gegen den Trend zur comprehensive school. Aber weil sie wohl irgendetwas tun musste, strich sie bedürftigen Kindern die Gratis-Schulmilch. Woraufhin ein tabloid schlagzeilte: „Thatcher, Thatcher, milk snatcher“ (Milchklau). Nicht, dass die Schlagzeile in Erinnerung blieb. Man wünscht sich bloß, sie wäre.

Empfehlenswert? – Who Dares Wins ist ziemlich ausführlich geraten. Das erweckt den Eindruck, die paar Jahre seien fürchterlich wichtig gewesen. Meiner Erinnerung nach traf das eher nicht zu. Ein bisschen weniger wäre deshalb vielleicht besser gewesen. Aber das ist ein kleinlicher Einwand. Im Grunde dürften wir’s wohl mit einem klassischen Werk zu tun haben (was immer das heißt).

Dominic Sandbrook, Who Dares Wins: Britain, 1979–1982 (London: Penguin Books, 2020).

Bei den weiteren Bänden handelt es sich um:

Never Had It So Good: A History of Britain from Suez to the Beatles (London: Abacus, 2006).

White Heat: A History of Britain in the Swinging Sixties (London: Abacus, 2007).

State of Emergency: The Way We Were: Britain, 1970–1974 (London: Penguin Books, 2011).

Seasons in the Sun: The Battle for Britain, 1974–1979 (London: Penguin Books, 2013).

 

Dominic Sandbrook, Who Dares Wins

Let me be clear from the outset: The legendary headline of Margaret Thatcher as „milk snatcher“ does not appear in the book under discussion. It dates from an earlier time. Why it has come to mind will become clear presently.

Who Dares Wins is the fifth volume of a series that the English historian and journalist Dominic Sandbrook has been working on for years (see the list at the end of the article). It is contemporary history – a history of Britain from 1956 onwards. The beginning is not chosen by chance, of course: The Suez Crisis was the seminal event in the course of which the United Kingdom finally and undeniably lost its status as a world power.

The kind of history Sandbrook writes is characterised by its comprehensiveness; one could almost speak of a kind of universal history. Not only are political decisions analysed; culture is also discussed, in the form of novels, theatre, films, rock bands as well as everyday culture. For someone like me, this comes with a number of yes, of course moments: I remember! The surprising thing, however, is how much one does not remember. It makes you wonder how certain events or trends could have passed you by. I assume British readers feel the same way, although they lived in the thick of it. I was only a visitor.

The latest volume of Sandbrook’s grand oeuvre covers the years 1979–1982, from the historic election of Margaret Thatcher to the end of the Falklands War. This is a relatively short period of time in which not much happened, apart from the war which Sandbrook does not describe in detail. He seems to be more concerned with the political positions, negotiations, and decisions made in Westminster. Apart from that, it was the fate of the British steel industry that moved the public at the time. Contrary to previous practice, it was now left to its own devices, which meant: sold out, broken up, closed down. The fate of those who made such rational strategic decisions was, of course, rather benign; the fate of the workers and employees was bitter and cruel. And no one, absolutely no one at all stood by them. How many lives were destroyed in this way? How many young people were deprived of their future?

(We don’t want to put on the stupid soundtrack about individual enterprise. Once the numbers run into hundreds of thousands or even millions, then individual efforts are by definition no longer a solution).

In this phase Margaret Thatcher distinguished herself by her steely toughness or, to put it differently, by her utter lack of compassion – the Iron Lady (as she had been dubbed by a Soviet army magazine in 1976). One could argue that this was necessary in order to finally achieve some change in Britain’s terribly sclerotic industrial relations, and I certainly wouldn’t disagree, not even today. But there is a difference between deploying such harshness temporarily to achieve an improvement – which would have to be measurable sooner or later – and using harshness as a principle. With Thatcher and her cronies, the second was clearly the case. Their lack of compassion or even understanding for those affected was widely observed even within their own party.

Yet her policies in the period under discussion were anything but successful. This was primarily due to the dogma of monetarism, which she had set out to implement. But it did not work. During the election campaign, the Tories had sneered at the Labour Party: „Isn’t working“. Now, not only were the unemployment figures higher than during the 1970s, the national debt was not decreasing either.

„Thatcher isn’t working“?

What saved her from a severe electoral defeat were the actions of an Argentine general. She seized the opportunity with ice-cold determination and never let it go – one could well speak of wartime Thatcherism. But that is beyond the time frame of the volume under review.

Which leaves us with the task of explaining the „milk snatcher“ sobriquet. The headline dates from the early seventies, when Mrs Thatcher was Education Secretary in Edward Heath’s government. She didn’t achieve very much; most remarkably, she didn’t oppose the trend towards ever more comprehensive schools. But because she had to do something, she withdrew free school milk from needy children. Whereupon a tabloid headline read: „Thatcher, Thatcher, milk snatcher“. Not that the headline was widely remembered. One wishes it had been, though.

Recommended?Who Dares Wins is a bulky volume. It gives the impression that these few years were terribly important. To my recollection, that was rather not the case. A little less might therefore have been better. But that’s a petty objection. We are probably dealing with a classic (whatever that may mean).

Dominic Sandbrook, Who Dares Wins: Britain, 1979–1982 (London: Penguin Books, 2020).

The other volumes are:

Never Had It So Good: A History of Britain from Suez to the Beatles (London: Abacus, 2006).

White Heat: A History of Britain in the Swinging Sixties (London: Abacus, 2007).

State of Emergency: The Way We Were: Britain, 1970–1974 (London: Penguin Books, 2011).

Seasons in the Sun: The Battle for Britain, 1974–1979 (London: Penguin Books, 2013).