So was taugt mir

Montag Vormittag, Ecke Boznerplatz / Wilhelm-Greil-Straße. Ich steh’ da am Fußgänger­übergang, warte bis die Ampel grün wird, nicht gerade bester Stimmung wegen dem mise­rablen Winter in Innsbruck, Sie wissen schon: gefrorener dreckiger Schnee am Straßenrand, auf den Gehsteigen eine dünne braune Schicht von Salzmatsch. Außerdem ist es kalt. Ich hab meine Mütze über die Ohren gezogen und den Kragen des Anoraks hoch geschlagen.

Neben mir steht ein junger Mann asiatischen Aussehens, kleines Ziegenbärtchen unterm Kinn. Und er ist, wie ich bemerke, im Hemd. Ich schau noch einmal: ja wirklich, weißes Hemd, drunter nichts.

„Brrr“, mach’ ich.

Er lacht.

„I hab kahn langen Weg“, sagt er in gepflegtem Innsbruckerisch ohne den geringsten Akzent. Klingt angeboren. Oder zumindest seit frühesten Kindesbeinen.

„Trotzdem. So was geht nur, wenn ma jung is.“

„Oder wenn ma lei schnell a Jausn holt.“

Wir lachen beide, überqueren die Straße gemeinsam bei Grün.

„Schönen Tag noch“, sagt er.

„Tschau!“

Und während ich weitergehe, erwärmt ein Lächeln mein Gesicht. Ja, ich muss grinsen. So was taugt mir, macht mich ganz vergnügt!