Naive Frage an Biologen

Vorweg das, was ich glaube, über die Evolutionstheorie gelernt zu haben: Sie besteht aus zwei voneinander unabhängigen Komponenten – der Theorie von der Evolution an sich sowie der Theorie zu ihrer Erklärung. Hier beschäftigen wir uns mit dieser Erklärung.

Die erfolgt anhand der beiden Annahmen von Mutation und Selektion. Zufällige Änderungen in den Genen können einem Individuum gewisse Vorteile verschaffen, die sich letztendlich darin äußern würden, dass es seine Gene öfter weitergeben kann als seine Artgenossen. So könnte sich die zufällige Erbänderung in der gesamten Population ausbreiten.

Das ist natürlich mehr als simpel wiedergegeben, und Biologen mögen sich bitte der Steinigung enthalten. Das Wichtige an der Darwin’schen These ist auf jeden Fall das Fehlen jeglicher Zweckgerichtetheit, jeglicher Teleologie. Das können wir nur schwer nachvollziehen, da wir selbst ja stets zweckgerichtet denken, überlegen, handeln und unser Handeln korrigieren. Nach Darwin vollzöge sich die Evolution von ihren Anfängen bis herauf zur heutigen Vielfalt jedoch rein zufällig. Deshalb ist das Bild von der „idealen Anpassung“ falsch. Die gibt’s nicht. Was wir sehen, das ist nur ein erstaunlich hohes Maß an Anpassung. Aber die ist zufällig entstanden (immer der Darwin’schen Lehre zufolge). Wenn das für uns so schwer fassbar erscheint, so liegt das an den ungeheuren Zeiträumen, mit denen wir’s zu tun haben: Millionen, womöglich Hunderte von Millionen Jahre. Uns ist nicht immer ausreichend klar, wie lang das eigentlich ist: eine Million Jahre. Das sind tausend mal tausend Jahre! So etwas übersteigt unsere Vorstellungskraft, da können wir tun, was wir wollen.

Trotzdem wohnt der Evolutionstheorie auch eine gewisse Logik inne. Ihr zufolge müsste die Entwicklung nämlich (a) Schritt für Schritt erfolgen, eine zufällige Erbänderung nach der anderen; (b) jeder dieser Schritte müsste dem Individuum einen Vorteil bringen; und (c) keiner dieser Schritte geschieht um des eventuellen Endproduktes willen. Die Evolution sieht nicht in die Zukunft, sie sieht selbst auch nicht, was von Vorteil oder von Nachteil ist – the blind watchmaker, der blinde Uhrmacher, wie das einmal ausgedrückt worden ist.

Und hier erhebt sich jene naive Frage, die ich heute zu stellen wage (ohnehin sehr schüchtern, voller Angst mich zu blamieren): Wie ist solcher Art, also mittels Darwin’scher Mutation und Selektion, die Metamorphose der Schmetterlinge (und anderer Gliederfüßler) zu erklären? Wenn sich die Raupe verpuppt – welchen Vorteil hat sie davon? Im Puppenstadium wird sie praktisch eingeschmolzen (meinem Stand des Wissens zufolge), um dann neu als bunter Schmetterling zu entstehen. Wie kann so was Schritt für Schritt durch zufällige Mutationen plus Selektion entstanden sein? Und woher kommt der Bauplan des Schmetterlings, den die Puppe in sich tragen muss? Denken wir bitte daran: keine Teleologie!

Ich weiß, dass ich mich jetzt sehr weit hinauslehne, aber mir scheinen da Probleme aufzutreten, die durch den Verweis auf noch so lange Zeiträume nicht mehr gelöst werden können. Es handelt sich, wie ich mich ausdrücke, um logische Probleme. Und erstaunlicherweise bekommt man diesbezüglich nie eine Antwort von Biologen. Die antworten eher mit dem Verweis auf den evolutionären Vorteil, bessere Überlebenschancen; aber das ist recht eigentlich unwissenschaftlich, denn wie schon gesagt, können weder Mutation noch Selektion in die Zukunft schauen.

Lassen Sie mich bloß kurz anfügen, dass ich solch logische Fragen auch beim Verhalten anderer Tiere sehe – bei jenen Sandwespen zum Beispiel, die zuerst mühsam ein Loch graben, dann ein gelähmtes Beuteinsekt hineinstecken, und dann ihre Eier in das Opfer legen. Die geschlüpften Maden ernähren sich vom lebenden Beutetier.

Ganz zum Schluss muss ich all jene enttäuschen, die ununterbrochen auf der Suche nach Alternativen zum Darwinismus sind; Kreationisten, zum Beispiel, oder intelligent design. Das bin ich nicht, ganz im Gegenteil! Mir geht’s nur um eine Antwort auf meine naive Frage. Die wird’s, daran zweifle ich nicht, früher oder später geben. Weiterführende Überlegungen stelle ich nicht an. Bin ja kein Biologe, nicht einmal Naturwissenschaftler.

schoepfblog 14.4.2022