Chilliwack

Wir hatten, bevor wir unser selbst gefasstes Tagesprogramm begannen, noch etwas zu fragen an der Rezeption des Hotels in Chilliwack, einer mittelgroßen Stadt nicht weit von Vancouver, Kanada. Doch die junge Frau wurde bereits von vier Männern belagert. Drei von ihnen waren groß, schlank und sportlich. Der vierte war klein mit einem Kugelbäuchlein, wirren Haaren, Bartstoppeln. Er fungierte als Sprecher der Gruppe. Er redete in einem schwer verständlichen accent, dafür aber mit dem Tempo einer Maschinenpistole. Ich tippte auf England, mehr oder weniger nördlich. Sehr gut im Erkennen von Dialektfärbungen bin ich allerdings nicht.

Trotzdem kam ich nicht umhin mitzubekommen, worum es ging. Die vier waren hier, um ein paar Tage lang zu angeln. Dazu hätte ein gemieteter Geländewagen vor der Tür stehen sollen, aber er stand nicht.

Wofür das Mädchen natürlich nichts konnte. Sie versprach, gleich zu telefonieren.

Als sich der Sprecher abwandte, redete ich ihn an.

„Sounds like a British accent to me?“
“Yeah.”
“Where from?”
“Midlands”, sagte er. “Coventry area. And you?”
„We’re from Austria.”
“Ah”, nuschelte er in seinem accent: “We don’t like your Verhofstadt
guy, you know.”

Ich stutzte. Dann begriff ich: Brexit, klar, er nahm das wohl persönlich. Guy Verhofstadt war ein belgischer Politiker, EU-Abgeordneter und Parlamentssprecher in Sachen Brexit, demzufolge medienprominent.

But he’s Belgian, lag es mir auf der Zunge. Aber da blitzte es mir: Der kleine Mann betrachtete uns allesamt bereits als Europäer!

Sein Gesicht hatte einen ratlosen Ausdruck angenommen, hilflos drehte er die Handflächen nach oben.

„They don’t understand us here.“

Daran wird er sich gewöhnen müssen, sagte Laura halblaut hinter mir.

Ich verschluckte mir jegliche Replik. Immerhin – so kam mir in den Sinn – immerhin musste man schon auch Verständnis aufbringen für diese Leute. Schließlich befanden wir uns in British Columbia!