Pfiffig um die Welt

Ewald Gerhard Seeliger, Peter Voß, der Millionendieb

Die Geschichte um Peter Voß dürfte einigermaßen bekannt sein, sie wurde mehrmals verfilmt. Es ist die Geschichte eines Defizits, das scheinbar gestohlen wird, um solcherart einen Konkurs zu verhindern. Damit der Schwindel nicht zu früh auffliegt, muss der angebliche Millionendieb rund um die Welt fliehen, stets verfolgt von einem Superdetektiv.

Die berühmteste Filmversion dürfte jene mit O. W. Fischer aus dem Jahre 1958 sein, zuletzt gab’s 1977 eine deutsche Fernsehserie. Weniger bekannt ist hingegen der Roman selbst. Er stammt von einem Mann namens Ewald Gerhard Seeliger und meinen Informationen zufolge aus dem Jahre 1913. Die Version, welche mir zur Verfügung steht, bezieht sich allerdings mehrmals auf den Ersten Weltkrieg. Wie sich herausstellt, wurde der Roman überarbeitet und 1929 neu herausgebracht.

Das steht durchaus in Einklang mit seinem Wesen, nämlich als leichte Unterhaltungsliteratur. Dazu gehören nicht bloß der flotte, pfiffige Ton, sondern ebenso ein gerüttelt Maß an Unwahrscheinlichkeit, an leichtfertigem Überspringen von Widersprüchen. Das tut ja nichts zur Sache. Flüssig zu lesen ist die Geschichte allemal, und nur darum geht’s.

Oder fast nur – zur Überraschung des Lesers, der Leserin finden sich Stellen, die durchaus ein bisschen tiefer gehen: Gespräche über Kapitalismus, Finanzwelt, ja sogar übers Regieren. Da wird eine antiautoritäre, ja geradezu anarchische Ader unübersehbar. Womit natürlich nicht gesagt sei, es handle sich um einen politischen Roman. Weit gefehlt! Weder die Zustände der Weimarer Republik kommen je zur Sprache, noch die Weltwirtschaftskrise (ich nehme an, das Buch erschien vor deren Ausbruch im Oktober 1929).

Mein Exemplar stammt aus der Bibliothek meiner Großmutter. Auf dem Vorsatz hat sie die Nr. 45 eingetragen, das Erwerbsdatum 28. IV. 30 sowie in gepflegter, schwungvoller Handschrift ihren Namen. Gelesen hab’ ich es nun, weil es mir zufällig in die Hände kam, sowie aus nostalgischer Erinnerung. Es gab ein paar Stellen, an die ich mich erinnern konnte, und die ich wie alte Bekannte freudig begrüßte.

Aber das soll die Bedeutung des Romans nicht künstlich steigern. Es handelt sich um reine Unterhaltung, sonst nichts. Angesichts so mancher schwer beladenen Tiefsinnigkeit im deutschen Roman stellt das freilich auch ein Verdienst dar, zumindest eröffnet es Abwechslung. Die hab’ ich nach ziemlich schwerer, trockener Lektüre in letzter Zeit auch gebraucht.

Empfehlenswert? – In diesem Sinne, durchaus. Zu viel darf man sich natürlich nicht erwarten.

Edward Gerhard Seeliger, Peter Voß, der Millionendieb oder Das entwendete Defizit (Berlin: Globus Verlag, 1929).