Der Vater in Anjou

Eduard Spörk, Franzosenkind

Eduard Spörk wurde 1943 auf einem Bauernhof in der Nähe von Fürstenfeld geboren. Sein Vater war ein französischer Kriegsgefangener, der diesem Hof als Arbeitskraft zugeteilt worden war. Da er selbst aus der Landwirtschaft kam, gestaltete sich das Miteinander durchaus harmonisch – soweit das die Nazis zuließen –, er wurde behandelt fast wie in Familienmitglied.

Inklusive lediges Kind.

Zu Kriegsende wurden die Kriegsgefangenen hastig auf einen Lastwagen verladen und weg gebracht. Damit brach der Kontakt ab. Der kleine Eduard litt unter dem Makel, ein „Franzosenkind“ zu sein, keinen Vater zu haben. Sein weiterer Lebensweg spiegelt wachsenden Wohlstand, wachsende Chancen und Möglichkeiten ab den fünfziger Jahren wider. Er brachte es zum leitenden Manager bei IBM in Österreich, später wechselte er in den karitativen Bereich und wurde Geschäftsführer beim katholischen Frauenorden Caritas Socialis. Dort erwarb er sich Verdienste um den Aufbau des Hospizwesens.

Die Frage nach der Identität des Vaters bohrte weiter. Einmal konnte er seine Mutter dazu bringen, ihm widerwillig dessen Namen und Geburtsdatum aufzuschreiben. Man wusste auch, dass er aus Anjou stammte, im Westen Frankreichs. Aber das reichte alles nicht, selbst Nachfragen bei einschlägigen Suchorganisationen brachten keine Ergebnisse. Erst das Internet änderte die Lage – oder genauer: nicht bloß die dort verfügbare Masse an Informationen, sondern auch die Fähigkeit des Computers, selbige schnell und zielgerichtet zu durchsuchen. Auf einer kürzlich veröffentlichten Liste von Kriegsgefangenen fand Eduard Spörk den Namen seines Vaters samt weiteren Angaben. Nun gelang es tatsächlich, ihn aufzuspüren, oder besser: seine Familie. Der Vater selbst war bereits verstorben. Zur Überraschung Spörks zeigten sich seine Halbbrüder und -schwestern erfreut über den Zuwachs, es kam zu gegenseitigen Besuchen, Freundschaften entwickelten sich – ein glückliches Ende also, das in diesem Falle freilich auch das Herz des Lesers erwärmt.

Obwohl Eduard Spörk als Autor aufscheint, hat er das Buch nicht selbst geschrieben. Er dürfte es vielmehr Britta Lauber erzählt haben. Dementsprechend wird in der dritten Person berichtet. Das tut der Sache aber keinen Abbruch. Der Stil ist unaufdringlich, fährt niemals störend zwischen Text und Leser. Inhaltlich versucht das Buch nicht mehr her zu machen, als es ist – allerdings auch nicht weniger.

Empfehlenswert? – Ganz bestimmt. Interessante, durchaus auch packende Lektüre.

Eduard Spörk, Franzosenkind: Meine Suche nach dem unbekannten Vater, aufgezeichnet von Britta Lauber. Mit einem Vorwort von Barbara Stelzl-Marx (Innsbruck: Tyrolia, 2015).