Anna Dengel

Ingeborg Schödl, Anna Dengel

Anna Dengel wurde 1892 in Steeg im hinteren Lechtal geboren. Ihr Vater betrieb einen gut gehenden Paramentenhandel – also mit liturgischen Textilien. Die Familie zog etwas später nach Hall in Tirol.

Das wäre an sich nicht bemerkenswert. Bemerkenswert ist jedoch das junge Mädchen, das sich damals in den Kopf setzt, Medizin zu studieren. In unseren Breiten war so was unerhört, also geht sie nach Cork in Irland und promoviert dort. Ihr Ziel ist jedoch, als Ärztin in Entwicklungsländern – damals den Kolonien – zu dienen. Das wäre von großer Bedeutung, weil sich Frauen dort oft nur von ihresgleichen behandeln lassen. Ärztinnen gab’s aber kaum, und selbst Ordensschwestern durften bei gynäkologischen Angelegenheiten nicht helfen. Das verbot die katholische Kirche. Im Besonderen galt das für Geburtshilfe.

Allen widrigen Umständen zum Trotz gelang es Anna Dengel, eine medizinische Organisation aufzubauen: Krankenhäuser, Ausbildungsstätten. Irgendwann fiel sogar das kirchliche Verbot und so konnte sie ihren Traum verwirklichen, einen Orden zu gründen und selbst Klosterschwester zu werden. Wie’s scheint, blieb sie dennoch mit beiden Beinen fest am Boden – ganz Lechtalerisch, bin ich beinahe versucht zu sagen. In der Biographie von Ingeborg Schödl kommt sie durchaus auch eigenwillig rüber, mit Ecken und Kanten. Das macht sie sympathisch. Von der berühmteren Mutter Theresa unterschied sie sich handfest: Ihr ging es ums Heilen, ums Helfen – Mutter Theresa primär ums Seelenheil.

Ingeborg Schödl hat eine anschauliche, unprätentiöse Biographie dieser bemerkenswerten Frau vorgelegt. Ihre ungeheure Zähigkeit wird Anna Dengel wohl auch ihrem Glauben verdankt haben, keine Frage. Was in Erinnerung bleibt, das sind jedoch ihre weltlichen Erfolge in der Krankenpflege. Dafür gebührt ihr zweifelsohne Bewunderung, bis heute.

Empfehlenswert? – Auf jeden Fall!

Ingeborg Schödl, Anna Dengel: Das Unmögliche wagen. Ärztin, Missionarin, Ordensgründerin. (Innsbruck: Tyrolia, 2019).