Elite

Die Wartehalle am Innsbrucker Flughafen. Departure lounge müsste ich sagen, um zu zeigen, wie weitgereist und wie weltgewandt ich doch bin. Aber was ist schon weltgewandt am Innsbrucker Flughafen? Selbst das Wort „Halle“ scheint ein wenig übertrieben für den niedrigen, emotionslos eingerichteten Raum.

Er hatte sich gefüllt mit Fluggästen, die auf die Ankunft jener Maschine warteten, welche sie anschließend nach London Gatwick fliegen würde. Ziemlich voll, wie ich feststellte. Nur noch wenige Sitze frei in der Halle. Gegenüber von mir ließ sich ein flatternder, zwitschernder Schwarm von Mädchen nieder, Teenager, dreizehn oder vierzehn Jahre vielleicht – je älter man wird, desto jünger schätzt man, immer zu jung. Schülerinnen ganz offensichtlich, eine ganze Klasse. Sie konnten keinen Moment ruhig sitzen, flogen auf, kehrten zurück, unablässig schnatternd.

„Das erste, was ich tun muss“, verkündete eine in bestimmtem Ton, sie wusste es ganz genau: „Zu einem Starbucks.“

Geschmeidige Bewegungen, lange schlanke Finger, gelangweilter Schmoll­mund:

„Ich war schon sooo lange in keinem Starbucks mehr!“

Die anderen spielten mit ihren Smartphones.

Eine von ihnen setzte sich blitzschnell auf den Sessel neben mir, kaum er frei wurde. Ich konnte mir’s nicht verkneifen sie anzureden.

„Sprachwoche, wie?“

Sie nickte.

„London?“

„Ja.“

„Warum eigentlich immer London“, fragte die mit dem Schmollmund beleidigt. „London kenn’ ich doch schon!“

„Welche Schule?“, fragte ich das Mädchen neben mir.

„Akademisches Gymnasium.“

Hatte ich mir’s doch gedacht. Angeblich die Eliteschule von Innsbruck. Rechts­anwälte, Manager, Hofräte, Ärzte. Die bessere Gesellschaft.