Weihrauch im Elfenbeinturm

Handke und kein Ende. Schade, dass er so viel Aufmerksamkeit erhält. Sie gebührt ihm nicht.

Den Nobelpreis har er verdient, klar. Wer, wenn nicht er? Gibt’s noch jemand, der sich derart hoch verstiegen hat in die obersten, die luftigsten Stockwerke des Elfenbeinturms? Angefeuert von einer Clique deutschsprachiger Literaturkritiker, Germanisten. Da droben frönen sie ihrem affektiert verschnörkelten Diskurs. Nur ja nichts einfach ausdrücken, wenn’s kompliziert auch geht! (Und je komplizierter, desto gescheiter – glauben sie.)

So benebeln sie Handke mit ihrem Weihrauch; ihn sowie ein paar weitere auserkorene Dichter und – deshalb angeblich auch – Denker. Und Handke glaubt’s. Er beantworte keine banalen Fragen von Journalisten, hat er jüngst geschimpft, er halte Zwiesprache mit Tolstoi und Homer! Das – nämlich das Selber-Glauben – das könnte vielleicht seine größte Schwäche sein.

Und die Serbien-Affäre? Nun, was hat man sich eigentlich erwartet von einem Elfenbeinturm-Spitzenbewohner? Der weiß nichts von der Wirklichkeit da draußen, will nichts wissen, darf gar nichts wissen. Da kann eine Intervention in der realen Welt nur in die Hosen gehen. Im Übrigen kennen wir das aus dem 20. Jahrhundert zur Genüge. Denken wir bloß an Pablo Picasso und Stalin. Sartre und die kommunistischen Straflager. Gerhard Hauptmann und die Nationalsozialisten.

Tröstlich ist bloß: Weder Handke noch seine Germanisten, seine Literaturkritiker machen einen Unterschied. Nicht den geringsten. Was Handke gesagt hat; ob er was anderes hätte sagen können; oder ob er überhaupt besser geschwiegen hätte – es macht keinen Unterschied. Null.

Und seine Literatur? Haben Sie bloß kein schlechtes Gewissen, weil Sie schon so lange nichts mehr von ihm gelesen haben. Das hat nämlich niemand, es sei denn, er oder sie musste. Und genau so war’s ja auch gedacht: Elfenbein-Literatur ist nicht fürs gemeine Volk! Wir wenden uns wieder dem zu, was wir gerne lesen, gerne und mit Gewinn. Ein kleiner Tipp: die Literatur-Nobelpreisträgerin des Jahres 2013, die Kanadierin Alice Munro.