In der Tat!

Zufällig gefunden:

https://twitter.com/ferdinandscholz [Accessed 17. April 2019]

In der Tat, kann man da nur sagen. In der Tat.

Allerdings haben wir uns hier die Aufgabe gestellt, nicht immer gleich Schnellschüsse abzugeben, sondern womöglich einen Schritt zurück zu treten, nachzudenken, unter einem etwas weiteren Gesichtswinkel zu sehen.

Da muss man einerseits natürlich fragen: Stimmen die Zahlen? Und worauf bezieht sich das „vor eineinhalb Jahren“? Meines Wissens gehen diese Erkenntnisse, diese Enthüllungen weiter zurück – zum Beispiel auf das Buch Treasure Islands von Nicholas Shaxson aus dem Jahre 2011 (deutsch: Schatzinseln). Im April 2013 erfuhr ich von den Enthüllungen des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) bezüglich der Machenschaften diverser Steueroasen – darunter auch der Cook Islands, wie ich in deren Blatt, den Cook Islands News, zu lesen bekam. Woraus leicht zu schließen ist, wo ich mich damals gerade aufhielt.

Aber das gehört nicht hierher. – Andererseits, so müssen wir ebenfalls feststellen, andererseits kann gar kein Zweifel bestehen, dass der Sachverhalt, wie er im obigen Twitter post geschildert wird, zutrifft. Dazu liegen uns inzwischen einfach zu viele Zahlen, Aufstellungen, Statistiken vor. Und deshalb müssen wir weiterhin festhalten:

  • Die Steuern, welche Superreiche und Konzerne nicht zahlen – das sind inzwischen Beträge, die übers Individuelle weit hinausgehen; das anzuprangern, hat mit Neid oder Anpatzerei nichts mehr zu tun.
  • Diese Beträge sind vielmehr budgetrelevant.
  • Sie tragen bei zur Schuldenproblematik so vieler Saaten; wie groß der Beitrag ist, wage ich nicht zu sagen, aber beträchtlich ist er bestimmt!
  • Das bedeutet, allgemeiner ausgedrückt: Die Superreichen und die Konzerne ziehen Geld ab, das eigentlich der öffentlichen Hand gehört, uns allen. Wenn wieder einmal kein Geld da ist – zum Beispiel für ein kleines Krankenhaus oder für die Sozialhilfe, was auch immer – dann sollten wir wissen, wo wir uns hinzuwenden haben.

Leider wissen wir’s nicht. Die „große Debatte“, die unser Twitter-Poster  glaubt versäumt zu haben, die hat niemals stattgefunden. Warum? Das ist eine ganz, ganz peinliche Frage. Sie richtet sich zunächst einmal an seriöse Zeitungen, an öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten: Was ist los mit euch? Eurer Information? Eurer „kritischen Berichterstattung“?

Und sie richtet sich an sozialdemokratische Parteien. He – das wär’ eigentlich euer klassisches Thema, oder? Was hört man von euch?

Nicholas Shaxson, Treasure Islands: Tax Havens and the Men Who Stole the World (London: The Bodley Head, 2011). -- deutsch Schatzinseln: Wie Steueroasen die Demokratie untergraben, aus dem Englischen von Peter Stäuber (Zürich: Rotpunktverlag, 2011).

Rachel Reeves, "Peering Into Legal Loopholes", Cook Islands News, 24 April 2013, p. 3.