Otto Wagner

Wien-Museum am Karlsplatz, die Otto Wagner-Ausstellung: umfangreich, informativ, äußerst interessant.

Otto Wagner ist bekanntlich eine Heldenfigur der Wiener Moderne – vielleicht sogar der Held schlechthin. Er vollzog den Schritt vom So tun als ob hin zur sichtbaren Verwendung zeitgemäßer Materialien, in seinem Falle vor allem Stahl und Glas: Die Logik der Moderne in Reinkultur, könnte man fast sagen, und deshalb eignet sich Wagner auch so wunderbar für pädagogische Zwecke. Inzwischen kann wahrscheinlich jeder durchschnittliche AHS-Maturant oder jede durchschnittliche AHS-Maturantin die Geschichte im Schlaf herunterbeten. Auch ich hab’ sie erzählt, und zwar meinen Deutsch-Klassen an einer HTL.

Womit der Wert der Ausstellung nicht im Geringsten geschmälert sei: Denn mein Wissen in punkto Architekturgeschichte ist, obwohl vorhanden, doch ziemlich kursorisch. Da hab ich also viel Neues erfragt, Lücken geschlossen.

Zwei Beobachtungen, zwei Gedanken gehen mir nicht aus dem Kopf und sollen hier dargelegt werden, quasi als Anmerkungen, als Fußnoten: Da sind zum einen Wagners grandiose Entwürfe zur Stadtplanung. Wie es scheint, handelte es sich nicht nur um ein privates Steckenpferd: Von seinen Meisterklassen an der Hochschule verlangte er im dritten Jahr eben so ein Projekt als Abschlussarbeit. Bloß zeichnen sich die Vorstellungen des Meisters selbst durch einen unübersehbaren Hang zur Gigantonomie aus. Und da fühlt sich der unvoreingenommene Betrachter halt doch erinnert an einen gewissen Pseudo-Amateur-Architekten unseligen Andenkens.

Natürlich hatte Wagner nichts mit den Nazis zu tun – das wäre rein chronologisch schon unmöglich (er starb 1918 – deswegen die Ausstellung). Wieviel Hitler von Wagners grandiosen Ideen gewusst hat, muss hier offen bleiben. Auf keinen Fall wird er gemeinhin mit der Moderne in Verbindung gebracht; der schien er vielmehr feindselig gegenüber zu stehen. Obwohl dieses Verhältnis vielleicht doch ein bisschen genauer untersucht werden sollte. Die Inszenierung der Reichsparteitage etwa, überliefert durch Leni Riefenstahls Filme, könnten da einen ersten Wegweiser bieten.

Zurück zu Otto Wagner und seiner Stadtplanung. Ein Modell soll einen ganzen Stadtteil darstellen. Wagner konzentriert sich auf eine großzügig angelegte luftige Achse mit streng geometrischen Grün- und Wasserflächen, verbunden durch eine Avenue. Schön. Den Rest bilden uniforme gesichtslose Wohnblocks, angeordnet in einem monotonen Gitternetz von Straßen.

Und so sollten die Menschen leben?

Otto Wagner plante zwar Mietshäuser, so erfahren wir in der Ausstellung, aber sozialer Wohnbau interessierte ihn nicht. Viele seiner Schüler waren dann allerdings an den Bauten des Roten Wien beteiligt, den berühmten Bauten, deren Architektur ja wirklich beeindruckt, selbst heute noch. Allerdings – so erfahren wir weiter – wurden diese Schüler kritisiert, weil die Wiener Kommunalbauten im Innern so unkritisch, so konservativ die kleinbürgerlichen Vorstellungen von Wohnen übernahmen.

Na, Gott sei Dank! (seufzt der unvoreingenommene Ausstellungsbesucher).

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