Performancekunst

Irgendein Radioprogramm, irgendeine Sendung. Es geht um die Wiener Gruppe, wieder einmal, um ihren avantgardistischen Mut in den fünfziger Jahren – das wohlbekannte Heldenepos, erzählt wahrscheinlich schon zum fünfhundertdreiundachtzigsten Male.

Zum Schluss eine super-gescheite Stimme, zieht wohl Resümee: Heute sei in der Kunst alles erlaubt, doch im Leben kehre die Konvention zurück.

Und da schreit der naive, folglich unvoreingenommene Zuhörer gequält auf: Aber das stimmt doch nicht!

Donald Trump – das ist doch ein Performance-Künstler, oder? Vielleicht sogar par excellence, weil’s bisher keinen gegeben hat, der auch nur annähernd so gesellschaftlich relevant gewesen wäre. Das gilt gerade für seine schlimmsten Ausfälle. Denn eben dies haben uns avantgardistische Künstler und Schriftsteller doch gelehrt, durch all die Jahrzehnte herauf: die Provokation; die Lächerlichkeit von Sitten und Manieren, die „Brüchigkeit von Konventionen“; den Tabubruch – ganz wichtig, geradezu der Sinn und Zweck von Kunst (glaubt man besagten Künstlern).

Und was tut Trump?

Oder nehmen wir die fake news, Trumps stereotype Parole. Haben uns nicht gerade Künstler und Schriftsteller eingebläut, dass die Wirklichkeit eigentlich gar nicht wirklich ist? Dass nur unbedarfte Philister so was glauben? (Leicht herablassendes Lächeln aus den schnatternden Zirkeln des Kulturbetriebs.) Und dass es folglich gar keine Wahrheit gibt? Alles nur relativ, nicht wahr, eine Frage des Blickwinkels. Alles nur Sprache, alles nur Gestaltung – künstlerische Gestaltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*