Wann platzen die Blasen?

Blasen? Welche Blasen?

Nun, in den letzen zwei oder drei Jahren habe ich geglaubt, gleich drei solcher Gebilde ausmachen zu können. In chronologischer Reihenfolge handelt es sich um

  • den so genannten Brexit,
  • den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, sowie
  • den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und seine türkise Bewegung.

Für manche wird das selbstverständlich klingen, keiner weiteren Erklärung bedürftig; für andere schon – wir können ja nicht voraussetzen, dass alle gleich denken. Also: Warum sehe ich Blasen?

Was den Brexit betrifft, so besteht das Problem gar nicht im Wunsch so vieler Briten, aus der Europäischen Union auszutreten. Das könnte durchaus vernünftig sein – vorausgesetzt, man ist sich der Konsequenzen bewusst, man ist also bereit, den nötigen Preis zu zahlen. Genau das ist aber nicht der Fall: weder das eine noch das andere. Deshalb bewegt sich die gesamte Debatte in einer Art Blase. Sie müsste – so meine Erwartung – platzen, wenn sie an der Realität anstößt. Das könnte die Position der EU sein, oder aber die reale Auswirkung eines mehr oder weniger harten Brexit.

An der Tatsache, dass Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, dass er das Amt folglich ausübt und weiter ausüben wird, kann hingegen kein Zweifel bestehen. Trotzdem erheben sich Fragen: Wie lange kann das gut gehen, einen derart unberechenbaren Menschen an der Spitze der – vorläufig noch – stärksten Macht der Welt zu haben? Trump trampelt durch akzeptierte Regeln und übliche Verhaltensweisen wie ein – man entschuldige bitte – wie ein Wildschwein. Das gilt für die Demokratie in den USA ebenso wie für internationale Beziehungen.

Natürlich kann so was kurzfristig Erfolg bringen: nicht nur wegen des Überraschungseffekts, sondern auch, weil’s manchmal wirklich vorteilhaft sein mag, Tabus zu brechen. Bloß sagt uns die Erfahrung, in diesem Falle also die Geschichte, dass die Strategie allen kurzfristigen Erfolgen zum Trotz in der Regel nicht aufgeht. Das wissen wir seit Napoleon und seit Hitler. Wobei mich Trump an keinen der beiden erinnert, sondern an Mussolini: Man braucht ja bloß zu beobachten, wie er Grimassen schneidet und pseudo-heroische Posen äfft. Mussolini, dieser elende Maulheld, hatte zunächst auch Erfolg, er konnte den Schein ziemlich lange aufrecht erhalten, notdürftig sogar bis 1940, bis zum Kriegseintritt Italiens. Immerhin achtzehn Jahre. Aber dann? Wie hat’s geendet?

Was Sebastian Kurz und seine türkise Bewegung angeht, so darf daran erinnert werden, dass sie auftauchte wie das oft bemühte Kaninchen aus dem Zylinder. Im Sommer 2017 war die ÖVP so am Ende, dass bei den bevorstehenden Wahlen nichts als ein Debakel drohte. Schwuppdiwupp, da war der neue Spitzenkandidat da, und nicht nur das: auch die ÖVP war völlig neu, ganz anders, keine Länder- und Bündestruktur mehr. Aber wo blieb dann die Machtbasis?

Nun, inzwischen wissen wir, wo die liegt: bei der Industriellenvereinigung und beim Wirtschaftsbund. Bloß – da gibt’s zwar jede Menge Geld, aber wie viele Stimmen? Bis dato hat Kurz das Manko wettmachen können, und zwar mit seinem persönlichen Appeal, wie man so sagt, mit seinem Image als Star. Und genau das verstehe ich unter einer Blase. –

Bleibt natürlich die eingangs gestellte Frage: Wann wird sie platzen? Und die anderen auch? Wie lange noch?

Oder womöglich – überhaupt nie?

Auch diese letzte Frage stelle ich mir. Ich hab’ keine Ahnung, wie’s weitergeht, wie die Zukunft aussieht, und weil ich kein Journalist bin, möcht’ ich auch gar nicht so tun als ob. Worum’s mir geht, ist etwas anderes:

Wenn wir eine Blase ausmachen, dann erwarten wir, dass sie platzt. Sie möge gefälligst platzen. Das verlangt – ja, was eigentlich? Unser Sinn für Gerechtigkeit? Für die Realität? Der Hausverstand?

Nun ist’s bei keiner der drei Blasen so weit, dass ich ihr Platzen jetzt schon für fällig hielte. Für Präsident Trump, so habe ich von Anfang an angenommen, kommt die Abrechnung frühestens im Jahre 2020, wenn er sich den nächsten Wahlen stellen muss. Und selbst dann ist’s noch gar nicht sicher, wie diese Abrechnung ausfällt. Eine zweite Amtszeit habe ich mir ebenfalls von jeher vorstellen können.

Beim Brexit hätte ich eher angenommen, dass die Wirklichkeit inzwischen ernsthafte Schrammen hervorgerufen hätte. Bis dato hat sich Premierministerin Theresa May aber durchschwindeln können. Sicher, die Spannungen innerhalb der Konservativen nehmen zu, bauen sich auf – aber die große, die dramatische Auseinandersetzung, der showdown, blieb bisher aus.

Und Sebastian Kurz samt seiner türkis-verschämten neuen ÖVP liegt in Umfragen nach wie vor vorne, deutlich vor SPÖ und FPÖ. Zwar rumort’s in der alten, der echten ÖVP, aber wie’s scheint, darf man sich auch hierzulande vorläufig keine dramatische Entwicklung erwarten.

Also?

Nun, wie schon gesagt, in die Zukunft kann ich nicht sehen, und ich will auch nicht so tun als ob; hier ist es nur um meine Erwartung gegangen. In einem Jahr wissen wir vielleicht mehr.

Vielleicht?

Hoffentlich!

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